Immer wieder erreicht mich die Frage, welche Fasern denn für Spinn-Anfänger besonders geeignet sind. Natürlich könnte ich dann einfach eine Aufzählung machen, nach dem Motto „die 10 besten Fasern für Spinnanfänger“. Aber wenn Du hier schon öfter reingelesen hast, dann weißt Du, dass ich gerne ein paar Hintergrund-Informationen und Gedankenanstöße gebe, damit Du Dir selbst eine Meinung bilden kannst. Und dass nicht immer alles schwarz-weiß ist.

In diesem Artikel geht es also darum, welche Fasereigenschaften sich besonders für Spinn-Einsteiger gut bewältigen lassen – und warum es manchmal auch gut ist, alle Empfehlungen in den Wind zu schlagen und das zu machen, worauf Du richtig Lust hast.

Was sind gute Spinnfasern? Die Kurzversion.

Gute Spinnfasern sind für jede Person etwas anderes – bunt oder naturfarben, glänzend oder matt, gekräuselt oder glatt, eher flauschig oder robust… Die Auswahl erhältlicher Fasern ist so breit gefächert wie die Vorlieben der Spinnerinnen und Spinner. Dennoch gibt es einen ganz guten Ausgangspunkt, von dem aus Du Dich in das Abenteuer der Faserauswahl stürzen kannst.

Egal ob bunt oder naturfarben, die Kurzversion meiner Tipps für Einsteiger wäre, auf folgende Punkte zu achten:

  • eine gute Faservorbereitung (also schön gleichmäßig)
  • mittellange Fasern (also nicht zu kurz und nicht zu lang)
  • mittelfeine Fasern (also nicht zu fein und nicht zu grob)

Mit Kardenband regionaler Schafrassen wie Coburger Fuchs, Schwarzkopf oder Deutscher Merino kann man da in der Regel nicht viel falsch machen.

Wenn Dir das schon weiterhilft: Super! Dann auf ins Getümmel des nächsten Wollfestes oder zum nächsten online-Shop und flugs den Einkaufswagen gefüllt! (Schau gerne auch bei meiner Link-Sammlung vorbei).

Vielleicht geht es Dir aber so wie vielen anderen auch und Du kannst mit diesem Tipp nicht so schrecklich viel anfangen. Oder Du denkst: aber es gibt doch noch so viele andere schöne Fasern, was ist denn mit… (ergänze Faser Deiner Wahl). In diesem Fall: lies einfach weiter und lass mich ein wenig ausholen.

Gute Spinnfasern. Die ausführliche Version.

Es gilt weiterhin: gute Spinnfasern sind nicht für alle dasselbe. Es hilft vielleicht, wenn Du einen Moment überlegst, wofür Du das gesponnene Garn verwenden willst, oder mit welchen Materialien Du am liebsten arbeitest. Es lohnt sich, in Material zu investieren, das Du auch wirklich magst.

Unabhängig davon kannst Du natürlich auf die drei Punkte achten, die ich oben schon erwähnt hatte: gute Faservorbereitung, geeignete Faserlänge, geeignete Kräuselung. Schauen wir uns das mal der Reihe nach an.

Womit arbeitest Du gerne?

Geh doch mal für einen Augenblick in Dich: Arbeitest Du lieber mit bunten, gefärbten Fasern oder sollte es urspünglich, direkt vom Schaf und naturfarbig sein? Magst Du es superweich oder doch lieber griffig? Stört Dich Schafgeruch oder genießt Du ihn? Magst Du Wollfett und Rohwolle direkt ab Schaf oder rümpft Dein Umfeld dann die Nase? Die Antworten auf diese Fragen können eine gute Entscheidungshilfe sein und die schiere Auswahl schon mal etwas eingrenzen.

Gute Faservorbereitung – homogen, gemüse- und filzfrei

Homogene Mischungen

Eine gute Faservorbereitung meint vor allem:  als Vlies (engl. Batt), Kammzug oder Kardenband vorliegend. Welches davon am besten für Dich geeignet ist, probierst Du am besten aus. In meinem Einsteigerkurs starten wir immer Kardenband mit (das in manchen Shops “Kammzug” genannt wird) und für das Üben zu Hause gebe ich ein Stück Vlies (Batt) mit.

Alle Faservorbereitungen (Vlies / Batt, Kammzug, Kardenband) gibt es mit nur einer Faserart oder als Mischung verschiedener Faserarten zu kaufen. Am einfachsten ist es, wenn Du mit einer Faserart startest. Bei Mischungen (z.B. BFL/ Seide/ Merino/ Alpaka oder so) kommt es ein bißchen drauf an, wie unterschiedlich die Fasern und wie homogen die Mischung ist.

Hier mal ein paar Bildbeispiele:

Nahaufnahme gemischter Kammzug in hellbraun und weiß, etwas weniger homogen als Corriedale.
Mystery-Fasern, bei denen ich schwer sagen kann, ob es echter Kammzug oder besonders glattes Kardenband ist. Deutlich erkennbar ist, wie die Fasern einigermaßen parallel zueinander liegen. Sie sind nicht ganz homogen, aber ähnlich genug, dass das Spinnen trotzdem gut funktioniert. Gibt interessante Farbeffekte!
Nahaufnahme eines Batt Vliesmatte aus braunem Bergschaf.
Ein Stück Vlies (Batt) vom Bergschaf. Die Fasern liegen alle kreuz und quer und man bekommt manchmal eine 1x1m große Matte, aus der man sich dann einfach Stücke herausrupft. So wie dieses hier.
Nahaufnahme hellbraunes Kardenband vom Jura-Schaf.
Das ist Kardenband vom Jura-Schaf aus einer kleinen Wollmühle. Diese Art Kardenband verwende ich in meinen Einsteigerkursen. Nur nicht vom Jura-Schaf (das hat manchmal sehr kurze Fasern).
Nahaufnahme hellgraues Kardenband vom Kreuzwickel, GPS x RPL.
Auch das ist Kardenband, es sieht nur etwas anders aus, weil die Fasern ganz andere Eigenschaften haben als das Jura-Schaf oben. Dieses Kardenband war auf einer Rolle aufgewickelt (Kreuzwickel heißt das).

Ob Einzelfaser oder Mischung, Kammzug, Kardenband oder Batt – die Fasern sollten mehr oder weniger homogen miteinander gemischt sein. Unterschiede in den Faserlängen werden so am besten ausgeglichen. (Unterschiedlich lange Fasern bekommt man, wenn man Fasern verschiedener Schafrassen mischt, oder innerhalb einer Faserart, wenn die Vliese viele kurze Fasern oder Nachschnitt enthielten. Probier es aus, zupf mal ein paar Fasern aus dem Kardenband – die sind bestimmt nicht alle gleich lang!)

Bei wenig gemischten Faservorbereitungen hast Du mal lange und mal kurze, manchmal glatte und dann wieder gekräuselte Fasern, die Du in den Faden einarbeiten musst, wie es gerade kommt. Das hat seinen eigenen Reiz, aber Du musst jedes Mal die Spinntechnik etwas ändern. Das ist für jemanden, der gerade anfängt, nicht immer einfach zu handhaben. Leichter sind die homogenen Fasern bzw. Fasermischungen, bei denen man immer gleich ausziehen kann.

Nahaufnahme Batt Vlies aus grünen und gelben Fasern. Das Batt ist homogen gemischt.
Batt Nr. 1: schöne und relativ homogene Mischung.
Nahaufnahme Batt Vlies aus pastellfarbenen Fasern. Das Batt ist mäßig homogen gemischt.
Batt Nr. 2: nicht mehr ganz so homogen. Unten rechts kann man weiße Seidenfasern erkennen.
Nahaufnahme eines Art-Batt in schwarz weiß und rot, keine homogene Mischung.
Batt Nr. 3 ist quasi ein Art-Batt. Die Fasern sind optisch schön geschichtet (naja, durch den Transport ist es etwas strubbelig geworden…) und fast gar nicht miteinander gemischt. Das gibt bestimmt eine schöne Textur im Garn.

Bei diesen schönen handgefertigten bunten Flausch-Batts kannst Du die Unterschiede besonders gut sehen. In dem schwarz-rot-weißen Batt liegen ganz klar mehrere Faserarten vor.

Ich hatte mal ein Seide-Angora-Merino-Batt, das ganz ähnlich aussah. Die Fasern waren dort wie in dem Batt oben quasi nur leicht geschichtet statt homogen gemischt. Das sah unglaublich verlockend aus! Jetzt muss man wissen (und ich hatte das beim Kauf nicht bedacht), dass Seide, Angora und Merino sehr unterschiedlich lang sind und unterschiedlich rutschig. Das führte dazu, dass ich je nachdem, welche der Fasern ich gerade auszog, meine Spinntechnik entsprechend anpassen musste, und zwar von ganz kurzem Angora zu ganz langer Seide. Das war…mühsam. Überleg Dir das gut.

Keine Pflanzenteile

Gute Faservorbereitungen enthalten so gut wie kein “Gemüse”, d.h. sie sind frei von Pflanzenteilen (Heureste, Samen…). Einiges fällt beim Spinnprozess aus den Fasern heraus, aber eben nicht alles. Pflanzenteile in den Fasern machen entweder das Garn kratzig und ungleichmäßig (wenn es zu viel ist und man sie drin lässt) oder den Spinnprozess mühsam (wenn man jedes Mal anhalten muss, um sie rauszusammeln). Nicht jeder Verarbeitungsprozess kann diese Pflanzenteile gleichermaßen gut entfernen.

Kammzug aus weißen Corriedale-Fasern. Schön parallele Fasern erkennbar.
Das ist industriell hergestellter Corriedale-Kammzug. Corriedale war eine der ersten Fasern, die ich versucht habe zu spinnen. Gut erkennbar ist die gute parallele Ausrichtung der Fasern. Industrielle Kammzüge sind quasi gemüsefrei.

Am besten spinnbar sind in dieser Hinsicht die großindustriell verarbeiteten Kammzüge und Kardenbänder, dort hat man fast keine Pflanzenteile. In kleinerem Maßstab aus regionaler Wolle hergestellte Kardenbänder mag ich eigentlich lieber beim Spinnen, allerdings ist das Kardenband nur so gut wie die Wolle, die in die Maschine ging. Wenn die Rohwolle von Pflanzenteilen durchsetzt war, kann die Maschine das nicht alles entfernen. So hatte ich schon mal ein Kardenband, das quasi nur per Stop-and-Go zu spinnen war – nicht schön. Wenn Du kannst, kauf Dein Spinnfutter regional bei kleinen Herstellern oder auf Märkten. Dort kannst Du es Dir ansehen und entscheiden, wie viel Gemüse für Dich vertretbar ist.

Nahaufnahme weißes Kardenband mit vielen vegetabilen Verunreinigungen.
Das ist für mich schon grenzwertig viel Pflanzenmaterial in einem Kardenband. Es geht noch, weil die Pflanzenreste meist weiches Heu sind. Bei pieksigen Samen würde ich das vermutlich nicht mehr spinnen.

Filzfrei

Gute Faservorbereitungen sind nicht angefilzt. Das gilt besonders für gefärbte Kammzüge / Kardenbänder, die manchmal im Färbeprozess etwas leiden. Angefilzte Fasern lassen sich nur schwer ausziehen, und das macht es gerade am Anfang schwieriger als es sein muss. Zwar könnte man das bis zu einem gewissen Grad durch Kardieren und Auflockern wieder beheben, aber damit kannst Du Dich befassen, wenn Du sicherer bist im Spinnprozess und Du vielleicht Deine Fasern selber vorbereitest zum Spinnen.


Mittlere Faserlänge

Für den Anfang empfehle ich immer Fasern mit einer Länge zwischen 7 und 12 cm. Sind die Fasern deutlich kürzer (z.B. bei mancher Lammwolle), reißt oft der Faden bzw. hält nicht gut zusammen, und Du musst die Hände beim Spinnen sehr dicht zusammenhalten. Insgesamt führt das zu einer verkrampften Spinntechnik, weil Du ständig das Gefühl hast, der Faden könnte reißen. 

Für Fasern mit einer Länge von deutlich über 12 cm müssen die Hände recht weit auseinander sein beim Spinnen, damit Du ohne Kraft ausziehen kannst. Da das am Anfang meist ein Detail ist, auf das die wenigsten Anfänger achten, führt das Spinnen mit zu langen Fasern zu verkrampften Fingern und Frust beim Ausziehen, weil die Hände meist zu dicht beieinander sind für die langen Fasern.

Du hast Fasern geschenkt bekommen, und sie sind aber 6,5 cm oder auch 15 cm lang? Nicht verzagen! Handspinnen ist keine super exakte Wissenschaft – probiere es einfach aus und schau, ob Du trotzdem klarkommst.

Mittlere Feinheit

Gute Fasern für Spinnanfänger sind in der Regel am besten nicht zu fein und nicht zu grob – zu feine sind nicht so leicht zu bändigen und das Garn kann sehr unregelmäßig werden, zu grobe Fasern können sehr …sagen wir mal: “robuste” Garne ergeben.

Sehr feine Fasern sind zum Beispiel Baumwolle, superfeines australisches Merino, Angora, Katze, manche Hundefasern, Kaschmir, Yak, Viscose oder auch Seide in bestimmten Formen. Manche davon sind einfach nur kurz (Baumwolle), andere kurz und flutschig (Angora) oder lang und flutschig (Seide, Viscose in allen Darreichungsformen wie Bambus oder Rosenfaser). Für den Anfang lässt Du die vielleicht erst mal beiseite (siehe aber unbedingt Empfehung Nr. 4).

Sehr grobe Woll-Fasern lassen sich zwar eigentlich ganz gut spinnen, enthalten aber manchmal Stichelhaare (z.B. Herdwick fällt mir spontan ein, auch manches Jakob, lies hier nach, was ich dazu bei Skudden gelernt habe). Wenn sie mit viel Enthusiasmus und Drall gesponnen werden, ergibt das Garne, bei denen die Stichelhaare nach außen stehen und pieksen. Die meisten möchten aber eher schöne, gefällige und flauschige Garne spinnen, und die bekommst Du mit solchen Fasern eher nicht.

Wenn Du dennoch mal grobe Fasern verarbeiten willst und es keine Wolle sein muß, könntest Du z.B. Flachs-Werg versuchen (das sind die kurzen struppigen und holzigen Fasern die bei der Flachs-Verarbeitung anfallen). Das geht ganz gut und gibt super Garn für Sackleinen oder zum Tomaten anbinden. Nur flauschig ist es halt nicht. (Schau mal in diesen Artikel zur Flachsverarbeitung, wenn Du magst).

Wir fassen zusammen

Eine gute Faservorbereitung für den Einstieg:

  • ist homogen
  • ist möglichst frei von Pflanzenteilen
  • ist nicht verfilzt
  • hat Fasern zwischen 7 und 12 cm Länge
  • hat mittelfeine Fasern (regionale Schafrassen sind gut)

Meine Favoriten für Spinnanfänger

„‚Ja ok,“ hör ich Dich sagen, „aber das sagt mir alles nix. Was soll ich denn jetzt kaufen?

Hier habe ich Dir ein paar konkrete Faser-Empfehlungen zusammengestellt, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe.

Empfehlung Nr 1: Kardenbänder oder Vliesmatten Regionaler Schafrassen

In meiner Erfahrung ist industriell aufbereitete Wolle von in Deutschland oder Österreich lebenden Schafen in der Regel prima für den Einstieg geeignet. Durch die industrielle bzw. maschinelle Faseraufbereitung ist alles relativ homogen, und Faserlänge und Feinheit sind von Natur aus im mittleren (und somit gut handhabbaren) Bereich. In meinen Einsteigerkursen verwenden wir  z.B. gerne Ostfriesisches Milchschaf, Rhönschaf oder Schwarzkopf.

Regionale Schafrassen sind beispielsweise (in Alphabetischer Reihenfolge):

  • Bentheimer Landschaf
  • Bergschaf (das kann allerdings manchmal etwas auf der kurzen Seite sein)
  • Brillenschaf
  • Coburger Fuchs
  • “Deichschaf” (keine Rasse, eher eine Verkaufsbezeichnung)
  • “Eiderwolle” (keine Rasse, eher eine Verkaufsbezeichnung)
  • Jakob-Schaf
  • Leineschaf
  • Merinolandschaf
  • Ostfriesisches Milchschaf
  • Rauwolliges Pommersches Landschaf
  • Rhönschaf
  • Schwarzkopf-Schaf
  • Texel

Empfehlung Nr 2: Britische, Französische und Skandinavische Schafrassen

Wem die regionalen Rassen etwas zu robust sind, kann sich bei unseren europäischen Nachbarn umschauen. Die Fasern gibt es meist als Kammzug oder Kardenband zu kaufen.

  • Bluefaced Leicester
  • Corriedale
  • Charollais
  • Cheviot
  • Cormo
  • Falkland
  • Lonk
  • Norwegische Wolle
  • Polwarth
  • Gotland
  • Rambouillet
  • Romney
  • Shetland
  • Suffolk
  • Whitefaced Woodland

Die abenteuerlustige Spinnanfängerin kann auch Shropshire oder Southdown probieren. Hier sind die Fasern manchmal etwas kürzer und seeeeehhhhhr elaaaaaastisch, was ein supertolles Garn gibt aber auch das Potential hat, den Schatz an Fluchwörtern erheblich zu erweitern.

Deutlich feinere (z.B. autralische Merino) oder längere Fasern (z.B. Leicester Longwool, Wensleydale) gibt es auch, aber der Frustfaktor kann für Einsteiger hier wie gesagt etwas höher sein. Siehe aber auch Empfehlung Nr. 4.

Empfehlung Nr. 3 : Spinnkonfekt, Schnupperpakete und Adventskalender

Schnupperpakete sind ein toller Startpunkt für Deine Entdeckungsreise. (Übrigens ist der Name da manchmal Programm: sie duften oft herrlich nach Wolle!). Manchmal heißen sie auch “Spinnpralinen” oder “Spinnkonfekt”. Etliche Shops bieten sie mittlerweile an, mitunter zu bestimmten Schwerpunkten (verschiedene Farben, verschiedene Rassen, gefärbt, mit Glitzer oder ohne, natur, bunt gemischt). Du bekommst überschaubare Mengen Fasern und musst Dir über die Auswahl keine Gedanken machen. Bei solchen Paketen lernst Du schnell, welche Faser Dir liegt und welche nicht. 

Kleine bunte Faserbällchen in lila, grün, gelb und grau-pink in Nahaufnahme, genannt Spinnkonfekt.
Hier hab ich noch ein paar Bällchen Spinnkonfekt gefunden. Das braune vorne hat sogar ein wenig Glitzer!

Alternativ kannst Du es so machen wie ich damals und Dir Dein eigenes Schnupperpaket zusammenstellen. Allerdings könnte es dann sein, dass das Ganze ein klein wenig eskaliert und dann doch irgendwie ein ganzes Kilo Wolle vor der Tür steht, weil irgend jemand sich nicht entscheiden konnte… ich sachs nur.

Nahaufnahme einer Schachtel Wollpralinen (hellgraue und dunkelgraue Fasern. Ein Schild erklärt die Herkunft von einer Leicester Longwool Aue.
Neulich gesehen auf dem Markt: Spinnpralinen aus regionaler Wolle. Sehr lecker!

Um die Adventszeit herum (mitunter aber auch schon im August) werden manchmal Faser-Adventskalender angeboten, wo man jeden Tag ein kleines Tütchen mit Fasern öffnen und spinnen kann – eine Art Schnupperpaket deluxe.

Empfehlung Nr 4: Schlag alles in den Wind und mach Dein Ding!

Der vielleicht der wichtigste Tip, den ich Dir geben kann, ist dieser: Du bist der Boss und Du kannst natürlich alles ganz anders machen, als ich das bis hierhin gesagt habe. Und das kann super werden. So wie bei einer Kursteilnehmerin, die ihre Katzenwolle mitbrachte (sehr flutschig und kurz!) und ihre 80g schwere Fallspindel. Was ich für superschwierig hielt, machte sie einfach und war sehr zufrieden mit ihrem Ergebnis. Und das ist alles, was zählt! Wenns doch nicht klappt, kannst Du jederzeit zu Empfehlung Nr. 1 – 3 zurückkehren.

Du kannst absolut mit Angorafasern anfangen, wenn du Hasen züchtest und ihre Fasern verarbeiten möchtest. Warum solltest Du den Umweg über Schafwolle machen, wenn Du viel flauschigere Fasern direkt zu Hause hast?

Mein einziges Caveat: Bislang habe ich noch niemanden getroffen, der mit Viskosefasern (Rosenfasern, Bambus, Tencel und wie sie alle heißen) angefangen hat und auf Anhieb glücklich wurde. Aber das muss nichts heißen. Wenn Du Wolle nicht verträgst und nur mit Baumwolle arbeiten willst, dann fang mit Baumwolle an. Das haben andere in Baumwolle-verarbeitenden Traditionen vermutlich jahrhundertelang so gemacht, warum sollte es Dir also nicht gelingen? (Du hast mit Viskose angefangen und bist direkt glücklich geworden? Schreib mir gerne einen Kommentar, das interessiert mich!)

Oder Du machst es so wie ich und holst Dir Silk Hankies. (Das sind die taschentuchförmigen Seiden, die man zuerst einfach ausziehen kann, dann die vorgezogenen Fasern zu einem Knäul wickelt und anschließend erst verspinnt. Hier ist ein Video-Tutorial dazu).

Wenn Du möchtest, spinn doch erst mal Papiergarne, da muss man überhaupt gar nicht ausziehen, nur verdrehen.

Du kannst auch direkt aus der Flocke spinnen – ohne Faservorbereitung, überhaupt nicht homogen, aber Locke für Locke, wenn das Vlies es hergibt. Es gibt Spinnerinnen, die noch nie anders gesponnen haben und nichts anderes machen wollen.

Wie gesagt: Du bist der Boss. Gönn Dir was Schönes.

Und nun: Viel Spaß beim Experimentieren!

Wenn Du bis hierher gelesen hast: Danke schön! Ich hoffe sehr, dass meine Überlegungen Dir etwas weitergeholfen haben. Und nun: viel Spaß beim flauschigen Experimentieren!


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