Du bist neu hier und Dir ist das Handspinner-Vokabular noch nicht so geläufig? Du spinnst schon länger – aber was war gleich noch mal ein Faux-lag…? Und was ist der Unterschied zwischen „spulengebremst“ und „flügelgebremst“? Damit Du Dich besser in meinen Artikeln zurechtfindest und weißt, was ich meine, habe ich hier ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen des Handspinnens zusammengestellt. Es ist alphabetisch geordnet und wird ständig erweitert – wenn Dir also ein Begriff fehlt oder nicht ausreichend erklärt ist, lass es mich wissen!

Anfangsfaden

An der > Spule (Spinnrad) oder der Handspindel befestigter fertiger Faden, mit dem man anfängt zu spinnen. Die zu spinnenden Fasern werden daran angesetzt, verfangen sich, sobald der A. verdreht wird und werden so festgehalten. An der Handspindel ist er nicht zwingend erforderlich, beim Spinnrad schon.

Antrieb / Antriebsart

Art und Weise, wie ein Spinnrad angetrieben wird. Prinzipiell gibt es drei Antriebsarten: > zweifädig, > spulengebremst und > flügelgebremst (in meinem Artikel über Spinnräder-Antriebsarten habe ich alle 3 schon einmal näher erläutert).

Antriebsrad

Das große Schwungrad, das bei jedem Spinnrad gleich ins Auge fällt.

Antriebsriemen

Der A. überträgt die Drehung des Antriebsrades auf den > Flügel (> einfädig betriebene Räder) bzw. Flügel und > Spule (> zweifädig betriebene Räder). Er besteht für einfädige Räder oft aus künstlichem Material (z. B. PU), für zweifädige Räder meist aus einer Baumwollschnur. Siehe auch > Antrieb / Antriebsart.

Auszug

Art und Weise, wie aus einer Faservorbereitung Fasern vereinzelt („ausgezogen“) werden, um ein Garn herzustellen. Prinzipiell wird zwischen langem und kurzem Auszug unterschieden, es gibt aber auch viele Mischformen. Der Unterschied besteht darin, wo sich der > Drall während des Ausziehens befindet. Beim langen Auszug befindet er sich innerhalb der Auszugszone, d. h. zwischen Faserhand (die Hand, die die Fasern hält) und Auszugshand (die Hand, die den Drall dosiert). Beim kurzen Auszug befindet er sich vor der Auszugszone und wird dort auch nicht hereingelassen (die Auszugshand fungiert als eine Art Türsteher). In dem Artikel über Kammgarne und Streichgarne bin ich schon einmal kurz darauf eingegangen.

Auszugszone

Bereich der Fasern, in dem die Fasern vereinzelt und zum Verdrehen bereitliegen. Die A. ist die Übergangszone zwischen Faservorbereitung (z.B. Batt) und dem gerade entstehenden Faden (hier kommt bald noch ein Bild)

Batt

Englischer Begriff für eine Matte kardierter Fasern, zu Deutsch oft > Vlies genannt. Nicht zu verwechseln mit dem Vlies, das bei der Schur vom Schaf genommen wird.

Bock

Bauart eines Spinnrades, bei dem Antriebsrad und Flügel vertikal (also übereinander liegend) angeordnet sind. Beispiel: Lendrum DT.

Bremse

Vorrichtung, die es > einfädigen Rädern ermöglicht, dass sich > Flügel und > Spule mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten drehen. Siehe > Spulengebremst / > Flügelgebremst.

Nahaufnahme Bremsschnur Lendrum (Scottish)
Bremsfaden aus Baumwolle an meinem Lendrum DT.

Center Pull Ball (engl.)

Ein Knäul, dessen zwei Garnenden (Anfang und Ende des Knäuls) beide von außen zugänglich sind. Entsteht entweder bei Verwendung eines Knäulwicklers oder z. B. bei > Kreuzspindeln. Wenn Anfang und Ende des Knäuls benutzt werden, um einen Faden mit sich selbst zu verzwirnen, bleibt kein Rest übrig.

Corespinning

Spinntechnik, bei der eine Hüllfaser um einen stabilen Kernfaden gewickelt wird. Die Hüllfaser erfährt dabei keinen Drall, da sie quasi im rechten Winkel auf den Kernfaden aufgebracht wird. Die Eigenschaften des entstehenden Garnes werden sowohl durch den Kernfaden (Stabilität, Reißfestigkeit, Dicke) als auch die Hüllfasern (Weichheit, Farbe) bestimmt. Hier gibt es ein Video von chantimanou.

Deckhaare

Lange Haare bei Schafen mit > mischwolligen Vliesen (beispielsweise Skudden). Die D. sorgen für das Ablaufen des Regenwassers vom Schaf. Im Artikel über die Entgrannung von Skuddenwolle kannst Du mehr über Deckhaare lesen.

Drall

Verdrehung von Fasern zu einem Faden bzw. mehrerer Fäden miteinander. In meinem Artikel erfährst Du mehr zum Thema Drall und wie man ihn für sich nutzen kann. Und hier kannst Du lesen, wie er sich auf Strickstücke auswirkt.

einfädig

Spinnrad mit einem > Antriebsriemen und zusätzlicher > Bremse: > spulengebremst oder > flügelgebremst.

Einzug

Kraft, die dafür sorgt, dass der gesponnene Faden am Spinnrad durch das > Einzugsloch gezogen und auf die > Spule gewickelt wird. Je dünner der gesponnene Faden, desto geringer stellt man in der Regel den Einzug ein, damit er nicht reißt.

Einzugshaken

Hilfsmittel, um den > Anfangsfaden durch das > Einzugsloch des > Spinnflügels zu ziehen. Manchmal tut es auch eine große aufgebogene Büroklammer.

Einzugsloch

Vorrichtung am > Spinnflügel und > Flügelkopf, durch die der frisch gesponnene Faden laufen muss, bevor er auf die > Spule aufgewickelt werden kann. Es gibt auch Räder, die statt eines Einzugslochs einen aufgesetzten Haken haben (z.B. Majacraft Suzie Pro).

Faux-lag

> Kardierte Faservorbereitung, bei der die Fasern zu einer Rolle gedreht werden. Die Faserausrichtung ist parallel zur Längsachse der Rolle.

Schemazeichnung Fauxlag
Hier habe ich mich mal wieder an einer Schemazeichnung versucht. Dargestellt ist ein Batt, wie man es von einer Handkarde nimmt, die Faserrichtung ist durch Striche symbolisiert.

Flügel

Meist U-förmiger Teil des Spinnrades, auf dem sowohl > Spule als auch > Wirtel befestigt sind. Ist mit dem > Antriebsrad über den > Antriebsriemen und die Wirtel verbunden. Auf den Armen des U befinden sich entweder fest montierte Haken oder > Gleithaken, über die der Faden geführt wird.

Flügelkopf (engl. mother of all)

Halterung für den > Flügel, in der er sich frei drehen kann.

flügelgebremst (engl. Irish tension)

> Einfädig betriebene Spinnrad-Art, bei der die > Spule angetrieben und der > Flügel durch Reibung (z.B. einen Leder-Riemen) gebremst wird, um so den Faden auf die Spule aufzuwickeln. In meinem Artikel zu Spinnrad-Antriebsarten habe ich das ausführlicher erklärt.

Fußspindel

Handspindel, bei der der > Wirtel an der dem Haken gegenüberliegenden Seite des Spindelstabes befestigt ist (am Fuß der Spindel eben). In diesem Artikel findest Du ein Beispiel: Wie baue ich eine Handspindel?

Handkarden

Hundebürstenähnliche Geräte zur Vorbereitung von Fasern zum Spinnen. Die Dichte der „Borsten“ (also ihre Anzahl pro cm²) kann variieren – für feinere Fasern nimmt man mehr Borsten, für gröbere Wollen nimmt man eher weniger (siehe > tpi). Die Karden gibt es mit gebogener Kardenfläche (wie die unten abgebildeten von Ashford) und auch mit gerader Kardenfläche (z. B. die von Kromski).

Nahaufnahme von Handkarden, mit dunkler Wolle beladen
Handkarden von Ashford.

Hochzeits- oder Hungerspinnrad

Ein Spinnrad mit zwei > Flügeln. Kann theoretisch mit zwei Händen parallel oder aber von zwei Personen gleichzeitig bedient werden.

Beim Handwebmuseum gibt es einen interessanten Artikel dazu.

Ein Hochzeitsrad mit zwei Spinnflügeln und mit Flachs bestücktem Rocken.

Irish Tension (engl.)

siehe > flügelgebremst.

Kämmen

Vorgang zur Vorbereitung von vorzugsweise langen Fasern zum Spinnen. Bei der Vorbereitung von Hand werden hierfür Wollkämme verwendet. Die Fasern werden dabei parallel ausgerichtet. Das Ergebnis ist ein Kammzug. Im Artikel über Kammgarne und Streichgarne habe ich es detaillierter erklärt.

Kammgarn

Aus einem Kammzug (d.h. aus gekämmten Fasern) hergestelltes Garn (mehr dazu im Artikel über Kammgarne).

Kardieren

Vorgang zur Vorbereitung von Fasern zum Spinnen. Die Fasern werden dabei luftig aufbereitet und liegen NICHT parallel sondern kreuz und quer. Ergebnis ist ein > Batt bzw. > Vlies oder ein Kardenband. Lies im Artikel zu Kamm- und Streichgarnen mehr dazu.

Kemp

Andere Bezeichnung für Stichelhaare. Im Artikel zu weicher oder kratziger Wolle erfährst Du mehr.

Knecht

Teil des Spinnrads. Verbindungsstück bzw. Pleuel zwischen Trittbrett und > Antriebsrad.

Kopfspindel

Handspindelart, bei der der > Wirtel in der Nähe des Hakens befestigt ist (also am „Kopf“ der Spindel).

Kreuzspindel

Handspindelart, bei der der > Wirtel aus zwei kreuzweise angeordneten Armen besteht, um die der gesponnene Faden teilweise kunstvoll gewickelt wird. Oft kann man die Arme aus dem aufgewickelten Knäul herausziehen und erhält dann ein Knäul, das man von innen und außen mit sich selbst verzwirnen kann (siehe auch > center pull ball). Es gibt hier ein etwas älteres Video von Chantimanou dazu.

Lanolin

In Schafwolle enthaltene Fettsubstanz (ugs. „Wollfett“). Nach einem Aufreinigungsprozess ist L. ein wertvoller Ausgangsstoff für die Kosmetikindustrie.

Locke

siehe > Stapel oder schau in diesen Artikel.

Micron (auch Mikron)

ein Mikrometer (= ein tausendstel Millimeter). Maßeinheit für die Wollfeinheit. Im Artikel zur Weichheit von Wolle habe ich ausführlicher dazu geschrieben.

mischwollig

Vliese, die aus verschiedenartigen Fasern zusammengesetzt sind, z.B. flauschige kurze Unterwolle und lange glatte Deckhaare. Mein liebstes Beispiel für eine mischwollige Rasse ist die Skudde, aber auch Schnucken oder Krainer Steinschafe sind mischwollig.

Im Artikel zur Entgrannung von Skuddenwolle beschreibe ich, wie man mischwollige Vliese verarbeiten kann.

pilling

Vorgang, bei dem an der Oberfläche von Wolltextilien kleine Knötchen (engl. pills) aus Fasern entstehen. Besonders anfällig sind sehr feine und kurze Fasern wie z.B. Kaschmir.

Rolag

Kardierte Faservorbereitung, bei der die Fasern zu einer Rolle gedreht werden. Die Fasern liegen quer / senkrecht zur Längsachse der Rolle. vgl. dazu auch: > Faux-lag.

Scotch Tension (engl.)

siehe > spulengebremst.

sliding hooks (engl., Gleithaken)

Variante der Fadenführung an den Armen eines > Spinnflügels, z.B. beim Lendrum DT. Gleithaken können nahtlos entlang der Flügelarme verschoben werden und ermöglichen so theoretisch eine gleichmäßigere Befüllung der > Spule. Das funktioniert aber nur, wenn man sie auch wirklich verschiebt…

Flügel mit integriertem Wirtel, Lendrum (Scottish)
Flügel des Ledrum DT. Der Gleithaken ist am oberen Flügelarm zu erkennen.

Spindelrad

Ein Spinnrad ohne Flügel-Spulen-System. Stattdessen wird über Antriebsrad und -riemen eine Spindel angetrieben. Das ganze funktioniert im Prinzip ähnlich wie eine unterstützte Spindel. Das Rad wird stehend betrieben, mit einer Hand wird das Antriebsrad gedreht, die andere hält die Fasern und dirigiert den Faden. Wie bei einer Spindel wird am S. zuerst eine Länge Faden durch Ausziehen und Verdrehen der Fasern hergestellt, dann wird der Spinnprozess unterbrochen, um den Faden aufzuwickeln.

Beispiele für Spindelräder sind z. B. die Charkha oder das Great Wheel, im Artikel zu Antriebsarten für Spinnräder habe ich schon einmal etwas dazu geschrieben.

Spinndorn

Äquivalent einer unterstützten Spindel am Spinnrad. Ein spitz zulaufender Metallstab, der über einen > Wirtel über das > Antriebsrad angetrieben wird und sich um seine Längsachse dreht. Findet hauptsächlich Anwendung bei > Spindelrädern, aber auch mein modernes Lendrum DT hat einen Spinndorn-Flügel (engl. quill head) im Zubehör.

Spule

Frei bewegliches Teil des Spinnrades, auf das der gesponnene Faden aufgewickelt wird.

Spule Lendrum
Spule für das Lendrum DT.

spulengebremst (engl. scotch tension)

Einfädig betriebene Spinnrad-Art, bei der die > Spule über einen Faden gebremst wird, damit sich der gesponnene Faden aufwickeln kann.

Stapel

Zusammenhängendes Faserbüschel, das man als Ganzes aus dem > Vlies ziehen kann, wenn man an der Spitze zieht. Wird manchmal auch als „Locke“ bezeichnet. In meinem Artikel über Kammgarne und Streichgarne habe ich etwas ausführlicher dazu geschrieben.

Streichgarn

Aus kardierter Faservorbereitung gesponnenes, oft leichtes und luftiges Garn. Im Artikel zu Kammgarnen und Streichgarnen habe ich ausführlicher dazu geschrieben.

tpi

1) twists per inch (Einheit für den Drall, Anzahl der Verdrehungen pro Zoll). In diesem Artikel über Drall habe ich es näher erklärt.

2) teeth per square inch (Maß für die Benadelungsdichte bei Kardenbelag, Anzahl der Nadeln pro Quadratzoll)

Übersetzung

Verhältnis des Umfangs des jeweils verwendeten > Wirtel zu dem des > Antriebsrades. In meinem Artikel zu Antriebsarten bei Spinnrädern habe ich das genauer beschrieben.

Beispiel: Umfang des Antriebsrades 1m, Umfang des Wirtels 10cm, die Übersetzung ist entsprechend 10:1. Oftmals wird die Übersetzung auch andersherum angegeben (also 1:10).

Unterstützte Spindel (engl. Supported Spindle)

Spindel, die auf einer Unterlage steht (zB. in einer Laufschale) und sich dort dreht. Mit unterstützten Spindeln kann man besonders feine und / oder kurze Fasern zu dünnen Fäden spinnen, da anders als bei der Fallspindel das Gewicht der Spindel nicht am Faden zieht.

Unterwolle

Feiner weicher Faserbestandteil von > mischwolligen Vliesen.

Vlies

Abgeschorene, zusammenhängende Wolle von einem Schaf (siehe auch dieser Artikel). Verwirrenderweise im Deutschen oft auch Bezeichnung für eine kardierte Faservorbereitung (Fasermatte), siehe > Batt.

Wirtel

1) scheiben- oder kugelförmiger Teil einer Handspindel, der deren Dreh-Eigenschaften beeinflusst.

2) scheibenförmiger Teil des Spinnrades (austauschbar oder fest am Flügelkopf montiert), der für die > Übersetzung zuständig ist.

WPI

Wraps per inch, Umwicklungen pro Zoll. Maßeinheit für die Dicke eines Fadens. Man wickelt einen Faden nicht zu locker und nicht zu fest z. B. um ein Lineal und zählt, wie viele Fäden nebeneinander in einen Zoll passen. Ein Faden, der 8 Mal in einen Zoll passt (8 WPI) ist dicker als ein Faden, der 24 Mal in einen Zoll passt (24 WPI).

Ziege

Ein Spinnrad, bei dem > Antriebsrad und > Flügelkopf horizontal (nebeneinander) angeordnet sind. Beispiel: Schacht Flatiron.

zweifädig (engl. double drive)

Antriebsart für Spinnräder, bei der meist ein langer Baumwollfaden zweimal um das Antriebsrad geführt wird und jeweils 1x über den Flügelwirtel und 1x über den Spulenwirtel. Lies diesen Artikel, wenn Du Genaueres wissen möchtest.