Ob am Strand oder mit einer heißen Tasse Tee auf dem Sofa – ich lese immer gerne ein gutes Buch. Wenn es sich dann noch um Wolle und / oder Schafe dreht und vielleicht noch Geschichten erzählt, umso besser. Heute stelle ich euch meine liebsten Bücher in deutscher Sprache rund um meine Lieblingsfaser vor. Vom Kinderbuch über Schaf-Geschichten bis hin zu fundiert recherchiertem und hervorragend aufbereitetem Fachwissen ist alles dabei.
Im übrigen (und das kennzeichne ich mal als unbeauftragte Werbung aus Überzeugung): Im online-Shop von calling sheep in Sassnitz gibt es eine fein kuratierte Buch-Abteilung, die nicht nur Strickbücher hat, sondern auch Schafkrimis!

Zu jedem Buch habe ich euch ISBN und einen Link zum jeweiligen Verlag gegeben. Das sind keine Sponsored Links, ich bekomme kein Geld dafür. Alle Exemplare habe ich mir selbst gekauft und empfehle sie, weil ich sie selbst für empfehlenswert halte.

„Pelles Neue Kleider“ von Elsa Beskow

Beginnen möchte ich mit einem zauberhaften Kinderbuch über den Weg der Wolle vom Schaf zum Kleidungsstück. Pelle ist ein kleiner Junge, und er hat ein Lämmchen. Eines Tages werden ihm seine Kleider zu klein, und er möchte sich neue Kleider machen. Er schert also sein Lamm, aber weil er nicht alles alleine machen kann, sucht er sich Hilfe beim Waschen, kardieren, spinnen, weben, färben und schneidern. Jede Stufe der Wollverarbeitung wird erklärt, und sogar Handkarden und Spinnrad werden korrekt (!!) dargestellt – das ist etwas, was mir direkt ins Auge sprang. Üblicherweise muss man da einige „künstlerische Freiheiten“ in Kauf nehmen, weil die Illustrator*innen selten mit der Funktionsweise von Wollverarbeitungsgeräten vertraut sind. In diesem Falle hat alles seine Richtigkeit.

Dieses Büchlein ist wirklich ein Schatz. Ich habe es bereits bei Spinnkursen mit Kindern eingesetzt, um in das Thema Wolle und Wollverarbeitung einzusteigen – absolute Empfehlung!

Buch Pelles Neue Kleider
„Pelles Neue Kleider“ ist ganz zauberhaft illustriert.

Verlag Urachhaus, ISBN 978-3-8251-7466-8

“Schafe” von Eckhard Fuhr

Ein kleines aber feines Büchlein mit entzückenden Illustrationen und gut recherchierten Geschichten rund um Schafe. Um seine Geschichten zu erzählen, nimmt der Autor viele Gemälde zu Hilfe, auf denen in der einen oder anderen Form Schafe abgebildet sind.
Er erzählt von den ersten Schafen und ihrer Domestizierung, von Transhumanz, Wölfen und Problemen, die die Schafhaltung mit sich brachte.

Am besten gefallen hat mir die Geschichte, wie das Merinoschaf aus Spanien nach Deutschland kam (das Kapitel heißt “Menschenfressende Schafe”). Das war damals ein langwieriges und beschwerliches Unterfangen von fast einem Jahr, in dem erst Abgesandte und Schäfer aus Deutschland nach Spanien reisten und anschließend der Schäfer mit den Schafen zu Fuß von Spanien nach Deutschland zurückkehrte. Nix mit Tiertransporter. Alles zu Fuß, bei Wind und Wetter. Nicht alle Schafe haben das überlebt. Und als er hier ankam, ging die Zuchtarbeit erst los …

Am Ende des Buches gibt es kurze Porträts einzelner Rassen, die dem Autor besonders gefallen haben, inklusive schöner Zeichnungen der jeweiligen Rasse.

Buch Schafe E. Fuhr
Ein kleines, feines Büchlein (leider etwas unscharf, das korrigiere ich nochmal …).

Verlag Matthes & Seitz Berlin, ISBN 978-3-95757-399-5

„Schafe und ihre Menschen in Schleswig-Holstein“ von Ulrike Krickau

In diesem Buch werden Menschen und ihre Schafe vorgestellt – unter anderem Schäfer, Schafscherer, Käsehersteller und eine Familie mit 4 Generationen von Schafhaltern.
Das Inhaltsverzeichnis gibt einen Überblick von „Zuerst die Lämmer“ über „Leben und arbeiten mit Schafen“ und „Rund um die Schafzucht“ bis hin zu „Schafe und Wölfe“ und die „Geschichte der Schafe in Schleswig-Holstein“.

So ganz habe ich den roten Faden in diesem Buch nicht gefunden, es war eher alles ein bißchen zusammengewürfelt. Der Bilder wegen muss man das Buch nicht kaufen. Das tut jedoch den Geschichten und Einblicken selbst keinen Abbruch. Man bekommt ein erstes Verständnis dafür, was die Menschen umtreibt, die Schafe halten und es zeigt, wie viel Arbeit, Herzblut und auch Frust das mit sich bringt, mit welchen Problemen Schafhalter*innen zu kämpfen haben.

Besonders interessiert hat mich hier die Geschichte der Schafschererin Anke Mückenheim, die ich 2019 auf der Grünen Woche kennengelernt hatte – und dann kam 2020 das Buch heraus!

Buch Schafe und ihre Menschen
„Schafe und ihre Menschen …“ ist ein etwas größeres Buch. Die Fotos sind alle ungefähr in dem Stil, der auf dem Cover sichtbar ist.

Boyens-Verlag, ISBN 978-3-8042-1521-4

„Schaf & Mensch“ von Nina Sieverding und Anne Huntemann

Der Untertitel hatte sofort mein Interesse geweckt: „Wie sehen Schafhalter, Landschaftspfleger & Designer die Zukunft des Hausschafes?“ Das klang sehr vielversprechend (Designer und Schafhalter!) und wurde immer besser, als ich das Buch dann in den Händen hielt. Aber hübsch der Reihe nach.

In diesem Buch geht es (dem Inhaltsverzeichnis nach) um Wolle, Milch, Fleisch, Landschaftspflege, Zucht und Schafe als Therapiehelfer. Zu jedem dieser Themen werden Menschen befragt, vom Schäfer über die Schafschererin, die Betreiber einer neu gegründeten Spinnerei bis zu einer jungen Designerin. Teils in Prosa, teils im Interviewstil werden sehr abwechslungsreich Geschichten erzählt und Perspektiven aufgezeigt, und fand mich aufgeregt lächelnd und nickend am Ende des Buches wieder – da ist was in Bewegung! Mit dabei sind bekannte Namen wie Sven de Vries (@schafzwitschern) und Stefanie Kauschuß, aber auch neue spannende Projekte wie die Wendengarn-Spinnerei und der Begegnungshof HerzBerg Herdecke.

Das ganze Buch erscheint mir sehr hochwertig, die Bilder sind toll geschossen, in der Mitte gibt es einen Teil mit Illustrationen zu auf Wiesen verbreiteten Pflanzenarten, die durch Schafhaltung geschützt werden.

Buch Schaf und Mensch
„Schaf & Mensch“ hat ganz hervorragende Fotos – das Cover gibt hier wieder einen guten Eindruck.

Verlag LV.Buch, ISBN 978-3-7843-5663-1

“Die Welt der Stoffe” von Kassia St Clair

Dieses Buch ist grandios! Es steckt voller gut recherchierter Geschichten um Fasern und ihre Aufbereitung: von Leinentüchern im Alten Ägypten, über Seide im Alten China und die Seidenstraße sowie Baumwolle in Amerika bis hin zu modernen Fasern wie Viskose und der Herstellung von Raumanzügen.

Besonders gefallen hat mir das Kapitel „Drachenschiffe – Die Wollsegel der Wikinger“. Die Autorin bringt eine Anzahl anschaulicher Beispiele und Zahlen, und besonders im Gedächtnis blieben mir die Folgenden:

“ In ein großes Segel von 90 Quadratmetern fließt die Arbeit von rund 2 ½ Arbeitsjahren.” (S. 133).

“Man geht davon aus, dass 200 kg Wolle und dementsprechend 10 Jahre Arbeit nötig waren, um ein normales Wikinger-Frachtschiff samt Crew auszustatten …” (S. 138)

Es geht übrigens auch um Outdoorbekleidung aus Naturfasern, wie sie damals u. a. für die Erforschung des Südpols oder die Besteigung des Mount Everest verwendet wurde. Auch heute setzen ja einige Hersteller wieder auf Naturfasern, und oft wird dabei neben der Nachhaltigkeit die Atmungsaktivität der Wolle zitiert. Im Kapitel „Knickerbocker auf 8500 Meter“ las ich dann aber zu meinem Erstaunen, dass in diesen ersten Extrem-Expeditionen die natürliche Atmungsaktivität der Wolle nicht ausreichte, um den Schweiß der Anstrengung vom Körper der Bergsteiger wegzutransportieren. Die Kleidung blieb nass und das „ … führte dazu, dass sich zwischen Kleidungsschichten Eis bildete, dass Schals an Gesichtern und Socken an Füßen klebten und die Isolation der Kleider weiter reduzierten, teilweise gefroren …“ (S. 230). Das war mir so nicht klar.

Wer also viele neue Aspekte über alte Fasern erfahren möchte, dem lege ich dieses Buch schwer ans Herz! Für diejenigen unter euch, die gerne im Original lesen, gibt es das Buch unter dem Titel „The Golden Thread“ zu kaufen.

Buch Welt der Stoffe
„Die Welt der Stoffe“ ist in Stoff gebunden und fühlt sich dadurch hochwertig an.

Verlag Hoffmann und Campe, 1. Auflage 2020, ISBN 978-3-455-00641-4

„Schafe und Wolle in Europa“ von Betty Stikkers, Diderica Westerveld und Thérèse Akkermans

Wer ein auf Wolle ausgerichtetes Nachschlagewerk zu verschiedenen Schafrassen in Europa sucht, hatte es bis vor kurzem schwer. Zwar gab es das englischsprachige „Fleece and Fiber Source Book“, aber dieses konzentrierte sich hauptsächlich auf in Amerika und Großbritannien gehaltene Schafrassen. Erst 2020 kam dieses umfassende Nachschlagewerk für Züchter, Scherer und Wollverarbeiter im Rest Europas heraus, in dem vor allem auch hier beheimatete Landschafrassen vorgestellt werden.

Im ersten Teil gibt das Buch einen historischen Überblick von den ersten Schafen über die Entstehung der Rassen bis hin zu Bakewell. Des weiteren gibt es Hintergrundwissen zur Entstehung der Wolle am Schaf, zu Eigenschaften verschiedener Fasertypen sowie zum Scheren, Sortieren und Waschen eines Vlieses.

Den Hauptteil des Buches machen die alphabetisch geordneten Rasse- und Wolle-Beschreibungen aus. Pro Seite (ca. A5) wird dabei eine Rasse vorgestellt, mit Bildern der Schafe selbst, einer Locke, der Vliesstruktur und eines gesponnenen Garnes. Kurze Texte unter den Bildern geben Auskunft zu den Schafen, den Woll-Eigenschaften, Filz- und Spinn-Eigenschaften sowie der Vliesstruktur.

Dieses Buch kann meines Wissens nur per E-Mail bestellen bei der Übersetzerin Irina Böhme aka driftwool (books@driftwool.de). Einen Verlag habe ich nicht gefunden, es wird wohl eine Art Eigenverlag sein und on demand gedruckt, vermute ich.

Buch Schafe und Wolle in Europa
Cover
Buch Schafe und Wolle in Europa offen
Blick auf die einzelnen Schafrassen.

Druck: Onlyprint, Herausgeber: Betty Stikkers, ISBN 978-90-824961-3-0

„Was steckt in unserer Kleidung?“ von Rebecca Burgess, Courtney White und Leonie de Abrew

Ein Buch darf hier natürlich nicht fehlen – das Fibershed-Buch. Es ist die deutsche Ausgabe des englischsprachigen Originals „Fibershed“ von Rebecca Burgess, über das ich Anfang 2019 überhaupt erst auf die Fibershed-Bewegung aufmerksam wurde.
Da ich das deutschsprachige Buch noch nicht habe, beleuchte ich hier die englische Originalversion. Im deutschen Buch ist noch ein zusätzliches Kapitel über Fibershed DACH enthalten.

Worum geht es in diesem Buch? Es geht um nicht weniger als eine Neue Textilwirtschaft. Eine Textilwirtschaft, deren Produkte nicht 5x um den Globus gekarrt wurden, sondern aus den Fasern innerhalb einer bestimmten Region stammen – vom Anbau über Spinnen, Weben und Nähen bis zur Kompostierung. Eine solche Region nennt sich auf Englisch „Fibershed“, das etwas sperrige deutsche Wort dafür ist „Fasereinzugsgebiet“.

Das Buch behandelt im ersten Kapitel die Kosten von Fast Fashion – für die Umwelt, die Menschen und die Gesellschaft. Im Anschluss stellt es das Fibershed-Modell vor, das von Rebecca Burgess in ihrer Heimat Nordkalifornien ins Lebe gerufen wurde. Dabei werden Begriffe wie Soil-to-Soil und Carbon Cycle besprochen, um begreiflich zu machen, wie die Textilproduktion mit der Landwirtschaft zusammenhängt. Denn letztendlich ist jedes Kleidungsstück aus Naturfasern ein Produkt der Landwirtschaft.

Allein schon die Geschichte der Fibershed-Bewegung macht das Buch unglaublich lesenswert. Hier werden nicht nur Theorien und Postulate vorgestellt, sondern fundierte Erkenntnisse aus vielen Jahren Arbeit in diesem Bereich. Eine Fülle von Quellen und Ressourcen hilft bei der Vernetzung und der Übertragung des Modells auf die eigene Region – denn natürlich muss es immer auch den regionalen Gegebenheiten angepasst werden. Mittlerweile gibt es weltweit schon über 40 Regionale Fibersheds wie Fibershed DACH!

Loewenzahnverlag, ISBN 978-3706629614

Habt ihr noch tolle Buchempfehlungen? Schreibt mir gerne, dann nehme ich sie hier mit auf!


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