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Schlagwort: Tips

Wolle Waschen durch Fermentieren – Wundermittel oder Nachbarsschreck? Ein Experiment.

Wer Schafwolle direkt vom Schaf ab verarbeiten möchte, kommt in der Regel am Schritt “Wolle waschen” nicht vorbei. Die Wollwäsche gilt dabei (nicht ganz zu unrecht) als aufwändiges Verfahren. Je nach zu waschender Menge kommen da schon mal ein paar Stunden Arbeit und einige zu wuchtende Kilo zusammen, und wer das nicht an einen Dienstleister abgeben möchte oder kann, sucht oft nach Wegen, sich die Arbeit zu erleichtern. Das Fermentieren von Wolle erscheint als eine einfache und natürliche Alternative zum Waschen “mit Chemie”. Aber was bedeutet “Fermentieren” eigentlich und ist das wirklich so gut? Ich hab es für euch ausprobiert. Im Nachhinein entpuppte sich das Ganze als ziemliches rabbit hole, daher ist dieser Artikel etwas länger und vermutlich auch nur der erste zu dem Thema.

Wolle fermentieren: Wie geht das?

Das Fermentieren von Wolle begegnete mir schon recht früh in meinem Spinnerleben. In Blogposts und Forums kam dieser Begriff immer mal wieder vor, meistens wurde die Methode hochgelobt, wenn auch mit dem caveat, es sei sehr … intensiv, auf olfaktorischer Ebene. Das Verfahren an sich ist simpel und mit scheinbar wenig Aufwand verbunden: 

  • Dreckige Wolle in Wasser (am besten Regenwasser) einlegen, 
  • ein paar Tage oder Wochen warten, 
  • Wolle rausnehmen, spülen, 
  • voila: saubere Wolle.

Meist erschöpften sich die Beschreibungen aber in etwas wie “zum Fermentieren lege ich meine Wolle in Regenwasser, bis sie fertig ist” oder “Wir fermentieren unsere Wolle auf natürliche Weise”. Angaben zu Schafrasse, Fettgehalt, Wasserart (ist es mit Leitungswasser komplett unmöglich oder nur weniger gut?), -menge und -temperatur, Dauer der Inkubation etc. sind, sagen wir mal vorsichtig: breit gestreut.

Der Tenor war: Rasse egal, Wasser drauf, drin liegen lassen, bis es stinkt (1 – 3 Wochen), und dann könne man die Brühe direkt fürs nächste Vlies nehmen, dann würde es noch besser. Angeblich spart man somit Energie (fürs Wasser erhitzen) und Wasser, weil man nicht so viel spülen muss. Funktionieren soll das Ganze über die Mikroorganismen, die in der Schafwolle natürlicherweise vorkommen, die würden Pflanzen- und Kotreste sowie sogar ein wenig Lanolin (aber nicht alles!) abbauen, so dass am Ende nur ein schönes sauberes und nach Schaf duftendes Vlies übrig bliebe.

(Dir fällt auf, dass ich im Konjunktiv spreche, gell? Aber ich will nicht vorgreifen…)

Schauen wir uns das doch mal im Detail an.

Beworbene Vorteile der Fermentation

Zu den oft genannten Vorteilen der Fermentation gegenüber der regulären Wäsche mit Spüli, Soda etc. gehören also:

  • Wasserersparnis (man kann offenbar die Brühe wiederverwenden und sie soll von Mal zu Mal potenter und besser werden),
  • Zeitersparnis
  • Energieersparnis
  • Natürlichkeit
  • Pflanzen- und Kotreste sollen wie gesagt abgebaut werden und auch nur wenig Lanolin am Ende übrig bleiben, gerade so viel, dass sich die Wolle noch schön geschmeidig anfühlt.

Eine relative Zeitersparnis kann ich mir ganz gut vorstellen, wenn man kein heißes Wasser schleppen muss und die Wolle nicht von Waschbad zu Spülbad hieven muss, sondern einfach nur wartet, bis es fertig ist. Auch die Energieersparnis klingt logisch, weil ja kein Wasser erhitzt werden muss. 

Beim Wasserverbrauch habe ich keine Quelle gefunden, die das einmal quantifiziert hätte, vor allem im Vergleich zu anderen Waschverfahren. Meistens waren die genauen Parameter eher vage gehalten, eben “nach Gefühl”.

Beim Thema Natürlich hatte ich dann so meine Bedenken. „Natürlich“ wird ja oft mit „ungefährlich“, „heilsam“ und anderen positiv besetzten Eigenschaften gleichgesetzt. „Natürlich“ heißt oft: keine bösen Chemikalien zugesetzt (wobei man natürlich trefflich drüber diskutieren kann, dass auch unsere Körper und die Natur selber „Chemie“ sind…anderes Thema). Nun. Natürlich im Sinne von „in der Natur vorkommend“ ist das Wolle-Fermentieren allemal, nur hinsichtlich „ungefährlich“ und „heilsam“… da mach ich schon mal ein Fragezeichen dran. Aber damit beschäftigen wir uns später. Und auch mit der Frage, ob Pflanzenreste, Kot und Lanolin abgebaut werden.

Meine Experiment : eine olfaktorische Herausforderung

Ich nahm mir also ein Vlies Ostfriesisches Milchschaf, sortierte es schön und legte es in ein großes Fass mit Deckel, füllte es mit gutem Berliner Brunnenwasser (Regenwasser hatten wir nicht) und wartete ab. 

Ich muss vielleicht dazusagen, dass ich damals noch nicht so genaue Notizen gemacht habe, nur ein paar Fotos. Die Beschreibung hier ist also nicht ganz so detailliert wie ich es gerne hätte.

Nahaufnahme Brühe Wolle fermentieren Tag 0. Dunkles trübes Wasser in einer blauen Tonne, unter der Oberfläche ist ein orangenes Kartoffelnetz. Ein Stock hält das Netz unter Wasser.faserexperimente Wolle fermentieren
Tag 0 der Fermentation. Das Vlies ist im Kartoffelnetz, das Netz ist in einer blauen Tonne mit Brunnenwasser. Ein Stock drückt das Netz unter die Oberfläche, und obendrauf kam ein luftdicht schließender Deckel. Luftdicht war es trotzdem nicht, denn das Loch, wo das Gärröhrchen hätte eingesetzt werden können, ließ ich einfach offen.

Wie erwartet, begann die Brühe ordentlich zu stinken. Der Geruch erinnert an Brennesseljauche (die Gärtner unter euch werden es kennen) oder einen Heuaufguss aus dem Biounterricht. Du erinnerst Dich vielleicht: man gießt Heu mit Wasser auf und lässt es stehen, bis sich oben ein Biofilm bildet (die Kahmhaut). Man findet dann unter dem Mikroskop Pantoffeltierchen etc. , die anfangen, das Pflanzenmaterial abzubauen. Und es…riecht.

Nahaufnahme der Oberfläche eines Fermentationsansatzes mit Schafwolle in einer blauen Tonne. Ein orangenes Kartoffelnetz ist unter der Oberfläche erkennbar, auf der Oberfläche schwimmen weiße Filmfetzen. faserexperimente. Wolle fermentieren.
Tag 7 der Fermentation. Es riecht. Und auf der Oberfläche kann man gut den durch mein Stochern etwas zerfetzten weißen Film sehen, der sich gebildet hatte.
Nahaufnahme der Oberfläche eines Fermentationsansatzes mit Schafwolle in einer blauen Tonne. Auf der Oberfläche schwimmen orangefarbene Filmfetzen. faserexperimente. Wolle fermentieren.
Tag 29 der Fermentation. Die weißen Fetzen sind weg, dafür ist so eine Art zusammengeschobener Film auf der Oberfläche zu erkennen. Es riecht … nicht lecker.

Nur um das olfaktorisch mal einzuordnen: Der Heuaufguss riecht schon nicht lecker, aber er ist nur der kleine Bruder des Wolle-Fermentierens.

Und das Ergebnis? Ziemlich ernüchternd, wie ich fand. 

  • Der üble Geruch ging aus meiner Wolle nicht raus, entgegen den Versprechungen im Internet. Auch nicht nach dem Trocknen und in der Sonne liegen. Auch nicht mit 5x Spülen (Brunnenwasser ausm Gartenschlauch). Auch nicht mit Lavendelöl im Spülwasser. Es roch nach Gülle, nicht nach Schaf.
  • Der Wasserverbrauch war durch das exzessive Spülen mindestens genauso groß wie bei meiner herkömmlichen Waschmethode.
  • Das Lanolin und auch Heu- und Kotreste waren am Ende noch drin (auch wenn manche Erfahrungsberichte behaupten, das würde von den Mikroorganismen abgebaut). 
  • Immerhin: etwas sauberer war die Wolle. Ungefähr so sauber, wie Wolle eben wird, wenn man sie mit kaltem Wasser spült.
Nahaufnahme frisch fermentierter brauner Wolle. Flüssigkeitstropfen sind in der Wolle zu sehen. faserexperimente. Wolle fermentieren
Nahaufnahme des dunklen Teils des fermentierten und frisch gespülten Ostfriesischen Milchschaf. Das Wasser perlt richtig von den Fasern ab durch das noch vorhandene Lanolin.

Das war im Jahr 2020, und damals hab ich mir wie gesagt noch nicht so genaue Notizen gemacht zu Wassermenge, Temperatur etc. Für eine erste Einordnung hat es mir allerdings gereicht… das Thema war damit für mich erst mal abgeschlossen und ich wusch meine Wolle wieder mit meiner bevorzugten Methode.

Nahaufnahme fermentierter weißer Wolle mit noch vorhandenen Kotspitzen. faserexperimente Wolle fermentieren
Nahaufnahme der Fasern im hellen Teil der Wolle nach der Fermentation. Es waren immer noch Kotreste zu sehen.
Nahaufnahme fermentierter weißer Wolle mit noch vorhandenen Pflanzenresten. faserexperimente Wolle fermentieren
Nahaufnahme im hellen Teil der Fasern nach der Fermentation. Pflanzenreste sind immer noch erkennbar.

Dem Geruch nach zu urteilen waren bei meiner “Fermentation” auch eher Fäulnisprozesse im Gange. Bei Fäulnis entstehen manchmal durchaus gesundheitsschädliche, oft schwefelhaltige Verbindungen (daher der Geruch). Vielleicht sollten wir uns nochmal kurz dem Begriff “Fermentation” als solchem widmen, bevor wir ihn einordnen.

Was ist eigentlich “Fermentation”?

Der Begriff “Fermentation” ist bei Lebensmitteln in aller Munde und hat in den letzten Jahren ein Revival erfahren, ob Sauerteigbrot, Bierbrauen oder Kimchi. Das zu fermentierende Lebensmittel wird dafür irgendwie mit Wasser und ggf. anderen Zutaten wie Salz oder Zucker angesetzt, und dann eine Weile im Warmen stehen gelassen. Irgendwann fängt es an zu blubbern und ist dann gesund – so oder so ähnlich könnte man das ganze vielleicht kurz zusammenfassen.

Manchmal wird Fermentation als “Gärung” bezeichnet, die aus dem Schulunterricht bekannten Gärungen sind vielleicht die alkoholische Gärung (Bier, Wein) oder die Milchsäuregärung (Joghurt, Käse). Der englische Begriff “fermentation” umfasst beides, warum es im Deutschen dafür zwei Begriffe gibt, weiß ich grad nicht.

Verantwortlich für die Fermentation bzw. Gärung sind Mikroorganismen, das können Bakterien sein oder Hefen. Warum machen die das nun? Kurz gesagt: zur Energiegewinnung. Zucker (oder andere Substrate) werden verstoffwechselt und abgebaut, um daraus Energie zum Leben zu gewinnen. Für die Mikroorganismen kann der Sinn einer Fermentation manchmal die Nutzung alternativer Nahrungsquellen oder auch eine Art zeitlich begrenztes Notfallprogramm sein. Sie haben dann mehrere Optionen der Energiegewinnung. Wenn eine Nahrungsquelle fehlt oder eine Notsituation eintritt (Sauerstoffmangel z.B.), wird einfach das Programm auf die jeweils verfügbare Nahrungsquelle / Umgebung geswitcht. Ganz nebenbei haben sie dadurch auch einen Selektionsvorteil gegenüber der Konkurrenz, die das vielleicht nicht kann.

Gärung, die in Abwesenheit von Sauerstoff und unter Bildung eines unangenehmen Geruchs abläuft, wird klassisch als Fäulnis bezeichnet.

Substratabbau am Beispiel Alkoholische Gärung

Für die, die es ganz genau wissen wollen: Glucose ist z.B. für Hefen die bevorzugte Nahrungsquelle in Anwesenheit von Sauerstoff. Glucose (6 Kohlenstoffatome im Molekül) wird in Anwesenheit von Sauerstoff über mehrere Zwischenstufen vollständig zu CO2 und Wasser abgebaut. Aus 1 Glucosemolekül mit 6 C-Atomen entstehen am Ende 6 CO2-Moleküle. Fehlt Sauerstoff, dann kann Glucose nur unvollständig abgebaut werden, denn für den letzten Schritt in dem Abbauprozess braucht es Sauerstoff (bis dahin geht es auch ohne). Ohne Sauerstoff bleibt der Abbau auf der vorletzten Stufe stehen, das ist dann Ethanol (das hat 2 C-Atome im Molekül). Da das für die Hefe intrazellulär eher problematisch ist, transportiert sie das Ethanol nach draußen in das sie umgebende Medium. Et voila, Bier oder Wein. Die Ethanolkonzentration im Medium steigt, bis sie irgendwann toxisch wird und die Hefe abstirbt (das ist der Grund für die natürliche Obergrenze des Alkoholgehaltes in Wein). Bei anderen Gärungen (z.B. Milchsäuregärung) wird z.B. in Abwesenheit von Glucose ein alternativer Zucker (in diesem Fall Lactose) abgebaut, und zwar ohne energetische Einbußen für die Mikroorganismen.

Die “guten” Fermentationen sind die, die sich der Mensch über die Jahrtausende zunutze gemacht hat. Joghurtherstellung, Sauerteigbrot, Bier brauen, Weinherstellung, Sauerkraut, Kimchi… all das endet in einem genießbaren Lebensmittel. Fermentation kann aber auch Stoffwechselprodukte entstehen lassen, die für den Menschen sehr ungesund sind. Bei solchen Fermentationen werden andere Abbauwege beschritten, wie z.B. der Fäulnis. Auch hier wird am Ende ein Substrat durch die Mikroorganismen abgebaut, um Energie daraus zu gewinnen. Nur sind die Substrate andere als Glucose, und es entstehen hierbei manchmal schwefelhaltige Verbindungen, die einen sehr, ähm, eigenen Geruch haben und eben überhaupt nicht gesund sind. 

Ich möchte an dieser Stelle nochmal das Stichwort“Kontrollierte” oder “geführte” Fermentation ins Spiel bringen. Beim Wein oder der Käseherstellung beimpfen wir mit einer gewünschten Kultur. Wenn wir das nicht tun (z.B. beim Sauerteig neu aufsetzen), stellen wir zumindest für die gewünschten Kulturen optimale Bedingungen her, um ihnen so gegenüber konkurrierenden (schädlichen) Mikroorganismen einen Vorsprung zu sichern, damit diese verdrängt und nur das gewünschte Ergebnis produziert wird. Genau deshalb ist es z.B. bei der Käseherstellung so wichtig, auf ein hohes Maß an Sauberkeit zu achten: Milch finden auch andere Bakterien lecker, die daraus aber leider keine genießbaren Produkte herstellen. Mit Coli-Bakterien vergorene Milch ist nicht genießbar. Lebensmittel-Fermentieren ist keine “Quick and Dirty”-Methode. Es braucht gute Hygiene und einiges an Erfahrung, um nur mit den Sinnen eine gute von einer schiefgelaufenen und nicht mehr genießbaren Fermentation zu unterscheiden – das ist die hohe Kunst.

Ahnst Du schon, worauf ich beim Wolle-Fermentieren hinaus will?

Aber bevor ich da tiefer einsteige, lass uns doch nochmal kurz in die Literatur schauen.

Was sagt die Literatur?

Netz-Recherche – woher kommt die Fermentations-Methode?

Beim Recherchieren im Netz zum Thema “Wolle fermentieren” oder auch “Suint Fermentation Method” bekam ich eine ganze Reihe Treffer von Blogs, die ihre Erfahrungen zu dem Thema geteilt haben. Beim näheren Hinschauen stellte sich aber schnell heraus: besonders groß ist die Detailtiefe dort nicht, meist werden dieselben Buzzwords wiederholt, und Quellen hab ich so gut wie keine gefunden. Im Englischsprachigen Raum (besonders in UK und den USA) wird auf einen Artikel des Magazins “Spin Off” vom Herbst 2008 verwiesen. Autorin ist die in der Handspinnwelt sehr bekannte und bewunderte Judith MacKenzie McCuin, die ihre Methode zum Fermentieren vorstellt und darauf verweist, dass sie ursprünglich in Neuseeland entwickelt worden ist. Sie verwendet die Methode, um vor allem Vliese primitiver Schafrassen zu reinigen. Sehr fetthaltige und feinwollige Vliese unterzieht sie im Anschluß noch einer regulären heißen Wäsche mit Detergentien (MacKenzie McCuin 2008).

Auf diesen Blogs (auf englisch) kannst Du mehr zum Fermentieren lesen:

https://mkburns.com/fsm/

https://bluebarnfiber.blogspot.com/2017/07/suint-fermentation.html

https://spinninglizzy.wordpress.com/tag/fermented-suint-method/

„Schafwolle verarbeiten“

Meine erste Literatur-Referenz ist ja immer das Buch “Schafwolle verarbeiten” (Röhm u. a. 2024). Im Kapitel zum Waschen der Wolle gibt es auch einen Abschnitt zum Thema “Reinigen durch Faulenlassen” (S. 219 f.). Dort steht im Grunde das, was ich oben schon erwähnt und in meinen ersten eigenen Erfahrungen auch festgestellt habe: es stinkt (was eben auf die Fäulnis hinweist) und das Wollfett bleibt erhalten. Der Autorin zufolge soll diese Methode aus Neuseeland stammen (ich vermute, das bezieht sich auf dieselbe Methode wie die von Judith MacKenzie genannte) und entwickelt worden sein, um große Mengen leicht verschmutzter und leicht fettiger Wolle zu reinigen. Und hier liegt glaub ich auch des Pudels Kern: leicht verschmutzt und leicht fettig. Nicht jede Schafrasse und nicht jedes Vlies ist offenbar gleichermaßen dafür geeignet.

„Scouring Wool“ und die Experimente von Jennifer Hunter (Fernhill Farm)

Die einzige weitere und etwas detailliertere Quelle, die ich finden konnte, war eine Referenz in der Tagungsveröffentlichung “Scouring Wool” aus 2015. Auf dieser Tagung, auf der es ausschließlich ums Wolle-Waschen in all seinen Dimensionen ging, hatte Jennifer Hunter aus Großbritannien ihre Arbeit zur Fermentation von Wolle vorgestellt, die Teil eines größeren Projektes rund um Wollverarbeitung und -vermarktung war. Auf ihrer Farm (Fernhill Farm) erprobte sie das Fermentieren kleinerer Mengen Vliese. Die Ergebnisse ihrer Arbeit hat sie in einem Forschungsbericht zusammengefasst (Hunter 2014). Sie nennt es “Microbial Wool Washing” (Kapitel 11.0) und stellt ihre Vorgehensweise und Erkenntnisse sehr detailliert dar (die sich in vielem mit dem decken, was man auch woanders über das Wolle-Fermentieren lesen kann). Unter anderem hat sie den Fermentationsansatz nach 3x Benutzung zum Düngen von Pflanzen eingesetzt und auch hier ihre Ergebnisse dokumentiert. Sehr lesenswert!

Mein Fazit: Ich habe Fragen. Und es ist nicht meins.

Eins wurde bei meiner Recherche schnell klar:  das Fermentieren ist umstritten. Die einen schwören drauf, die anderen lehnen dankend ab. Zudem musste ich schnell feststellen:  die Detailtiefe in den Blogs oder Posts, die ich gefunden habe, war nicht besonders groß – es wurde eher gesagt, dass Wolle fermentiert wird, aber nur selten wie oder welche Rasse verwendet wurde, wie fettig die Wolle war, Wasserhärte, Temperatur, pH  usw. Am ausführlichsten wurde noch die reine Durchführung erklärt, die verwendeten Behältnisse etc. 

Danach wurde es schon dünn – Angaben zu Inkubationsdauer, Temperatur, Wassermenge, Schafrasse, Fett- und Schmutzgehalt des Vlieses wurden nur teilweise mitgeliefert. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Ergebnisse sich je nach Schafrasse, Verschmutzungsgrad und Temperatur durchaus unterscheiden. Möglicherweise sind je nach Standort und Rasse sogar unterschiedliche Mikroorganismen auf den Vliesen angesiedelt, so dass die Fermentation sowieso nie identisch sein kann, weil unterschiedliche Organismen unterschiedliche Stoffwechselwege beschreiten. Und so kann ich mir vorstellen, dass es zwangsläufig zu unterschiedlichen Ergebnissen kommt.

Mir stellt sich zudem die Frage: Was wird da eigentlich „fermentiert“? Also was genau ist das Substrat für die Mikroorganismen? Die Reaktionsprodukte kann man riechen, etwas schwefelhaltiges, tierisches, ist also mit im Spiel. Aber mehr Informationen habe ich nirgends dazu gefunden.

Nach meinem Empfinden ist die Wolle nach dem Fermentieren genauso sauber, als wenn man sie z.B. nur über Nacht einweicht und am nächsten Tag spült. Das Spülwasser ist genauso guter Dünger, das Ganze dauert nicht so lange und die Wolle duftet noch nach Wolle. Bei diesem über-Nacht-Vorweichen wird der leicht lösliche Wollschweiß ausgewaschen, der selbst schon eine gute Reinigungswirkung hat (wird oft als „schaf-eigene Seife“ bezeichnet) und die allermeisten leichtlöslichen Verunreinigungen entfernen kann. Stark verklebte Spitzen, Farbreste und das Wollfett werden dadurch natürlich nicht entfernt. (Und auch Judith MacKenzie sagte ja, dass die Fermentation eher für primitive Rassen mit weniger Wollfettgehalt geeignet sei und sie im Anschluß an die Fermentation bei fettigen Wollen noch ein richtiges „Scouring“ mit Detergentien anschließt).

Schaf-eigene Seife

Vielleicht hast Du auch schon mal von „Schaf-eigener Seife“ gehört. Das ist nichts anderes als der leichtlösliche Wollschweiß.
Das Lehrbuch „Wollkunde“ (Doehner und Reumuth 1964) sagt dazu folgendes (S.299f, ich fasse zusammen).: Wollschweiß setzt sich aus anorganischen Salzen, insbesondere Kaliumcarbonat, und einem geringen Teil aus organischen Sbstanzen zusammen.
S.305: Wollschweiß hat eine hohe Oberflächenaktivität und einen hohen Kaliumgehalt. Die Wollschweißlösung hat eine gute Reinigungswirkung, die auf den Gehalt an Kaliseifen und Peptid zurückzuführen ist (das sind vermutlich die organischen Reste) Zitat: “In vielen Wollwäschereien wurden daher im ersten Waschtrog keine Detergentien zugesetzt, um die Waschwirkung des Schweißes zur teilweisen Beseitigung von Fett und Schmutz auszunutzen.” Es wird das Duhamel-Verfahren erwähnt, das in der industriellen Wollwäsche diese Reinigungswirkung des Wollschweißes als Vorstufe zum Waschen mit Detergentien ausnutzte, sich aber nicht durchsetzen konnte (Wood u.a. 2009).
S. 306: Aus dem Schweiß wird/ wurde Pottasche gewonnen (Ausbeute ca 3% des Rohwollgewichtes bei deutschen Wollen, die besonders viel Wollschweiß haben).


Was stört mich am Wolle-Fermentieren als Wasch-Methode?

  • Der Geruch – da sind nicht nur friedliebende Bakterien dabei und man weiß gar nicht, was man da züchtet. Plus: Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass alle dabei entstehenden ungesunden Substanzen wirklich leicht flüchtig sind und somit irgendwann auch aus dem Vlies rausgehen. Man weiß es einfach nicht.
  • Das Ergebnis –  nur Spülen macht es in meiner (zugegeben begrenzten) Erfahrung genauso sauber.
  • Die Fermentationsbrühe würde ich weniger als “Dünger” sondern eher als “Klärabfall” bezeichnen und nicht in meinen Garten kippen – immerhin geht das alles ins Grundwasser… ich kann mir nicht vorstellen, dass es das gleiche ist wie normale Gülle. Ohne es belegen zu können, ziehe ich hier mal eine Parallele zur Wasserröste von Flachs (dabei wird Flachs in Wasser eingelegt und angerottet, um die Fasern zugänglich zu machen, ähnlich wie beim Wolle fermentieren). Die Wasserröste ist in Europa aus Umweltschutzgründen in der Regel verboten, weil es Gewässer stark belastet.
  • Faulen / Fermentieren kann die Faserstruktur angreifen und die Wolle verrotten lassen. Dazu habe ich aber keine Erfahrungsberichte gefunden.

Wenn Du schon mal eine mikrobiologische und toxikologische Analyse dazu gefunden oder selbst gemacht hast, würde ich mich freuen, wenn Du sie mit mir teilst! Es interessiert mich wirklich, und auch Jennifer Hunter scheint gute Erfahrungen mit dem Fermentationssud als Dünger gemacht zu haben. Ich hab erst mal nur meine Zweifel.

Nicht direkt ein Störfaktor, aber zu berücksichtigen, wenn Du Vliese zum Kardieren an einen Dienstleister schicken möchtest: der Rest-Fettgehalt fermentierter Vliese ist möglicherweise zu hoch, um maschinell weiterverarbeitet zu werden. Frage auf jeden Fall bei Deinem Dienstleister nach, wie fettfrei die Wolle sein muss.

Wolle Fermentieren zu anderen Zwecken?

Also, als Waschmethode ist das Fermentieren durchaus umstritten, wie wir gesehen haben. Meist hat sowas aber doch irgendwo seinen Ursprung in einer Tradition und wird dann irgendwie angepasst, weitergegeben, und dabei verschwindet oft ein Teil des Wissens um das Große Ganze. Und siehe da: In meiner Recherche stieß ich noch auf einen anderen interessanten Fakt. Früher wurde offenbar Wolle beim Färben mit Naturfarbstoffen fermentiert, um die Farben brillanter und länger haltbar zu machen. Mega spannend! Ich machte mich gleich ans Quellenstudium.

Studien an archäologischen Fundstücken

Im zitierten Artikel von Späth et al 2021 “X-ray microscopy reveals the outstanding craftsmanshop of Siberian Iron Age textile dyers” (Späth u. a. 2021) haben die Autoren mittels Röntgen-Mikroskopie (eine Methode, die ich selber nicht kenne) Wollfasern aus einem sehr alten Teppich analysiert, der im Altai-Gebirge gefunden wurde.  Der Teppich (“Pazyryk Teppich”) stammt aus dem 4. Jh. v.Chr. und wurde aus der Wolle anatolischer Schafe hergestellt. Seine Farben leuchten offenbar noch immer intensiv. Die Autoren führen dies darauf zurück, dass die Wolle der anatolischen Schafe, aus der der Teppich besteht, vor dem Färben fermentiert wurde. Die Fermentation greift die Cuticula-Schicht der Fasern an, so dass die Schuppen der Wollfaser abstehen und im anschließenden Färbeprozess (auf den ich hier nicht näher eingehen möchte) die Farbstoffe besser in das Innere der Faser eindringen und sich dort anreichern können.

Die Autoren schreiben, dass sich der Fermentationsprozess über drei Wochen hinzieht und durchaus fehleranfällig ist – wenn er nicht richtig durchgeführt wird, kommt es offenbar zu Fäulnis (“putrefaction”). Die Kunst dabei ist, die erwünschte Hefe Geotrichum candidum anzureichern. Dieser Mikroorganismus baut die lipidhaltige Schicht zwischen den Cuticula-Zellen ab und stellt durch sein Wachstum auch einen pH von ca. 4,4 ein, der wiederum das Wachstum unerwünschter Fäulnisbakterien verhindert.

Heureka: Das ist es! Eine geführte Fermentation mit dem Ziel, die Farbaufnahme zu verbessern!! (Du erinnerst Dich an den Anfang dieses Artikels?)

Im Methodenteil kann man dann nachlesen: für die Fermentation wird mit Sauerteig und Weizenkleie gearbeitet. Aha! AaaaHAAA!

Und hier ist noch ein Pudelkern: Der Prozess der Fermentation von Wolle wird mit erwünschten Kulturen (dem Sauerteig) beimpft und dann mit Weizenkleie gefüttert, damit sich die erwünschten Prozesse der Fermentation auch wirklich gegen die unerwünschten Prozesse der Fäulnis durchsetzen!

Im Methodenteil des Artikels wird eine weitere Studie zitiert (Meyer u. a. 2017). Die Autoren haben mit ähnlichen Methoden gearbeitet und ebenfalls alte mit Naturfarben gefärbte Fasern untersucht. Hier findet sich auch eine etwas genauere Beschreibung für die Durchführung der Fermentation (mit anschließendem Färben, das ich hier heute mal außen vor lasse).

Diese Art der Fermentation zum Färben hat auch schon mal jemand ausprobiert und darüber gebloggt. Schau gerne dort vorbei, wenn es Dich interessiert, Du findest auch interessante links dort.

Fermentieren zum Färben – so könnte da doch noch ein Schuh draus werden!

Na, das klang doch schon eher nach Reproduzierbarkeit und Intention! Dieses rabbit hole habe ich mir als nächstes vorgenommen, damit dieser Artikel hier nicht allzu lang wird.

Stay tuned für die Fortsetzung zum Thema “Wolle Fermentieren zum Färben”!

Quellen

Hunter, Jennifer. 2014. Growing and marketing fine wool in native colours. Research Report. Nuffield Farming Scholarships Trust. 

MacKenzie McCuin, Judith. 2008. „On Washing Fleece“. In Wool Washing. spinning daily presents. F+W Media Inc. 

Meyer, Markus, Camelia N. Borca, Thomas Huthwelker, u. a. 2017. „Μ -XRF Studies on the Colour Brilliance in Ancient Wool Carpets“. Scanning 2017: 1–7. https://doi.org/10.1155/2017/6346212. 

Röhm, Margit, Katrin Sonnemann, und Ulrike Claßen-Büttner. 2024. Schafwolle verarbeiten: Schafrassen, Wollkunde, Filzen, Spinnen. Von der Rohwolle zum fertigen Werkstück. Verlag Eugen Ulmer. 

Späth, Andreas, Markus Meyer, Thomas Huthwelker, u. a. 2021. „X-Ray Microscopy Reveals the Outstanding Craftsmanship of Siberian Iron Age Textile Dyers“. Scientific Reports 11 (1): 5141. https://doi.org/10.1038/s41598-021-84747-z. 

Wood, Errol. 2009. „7. Wool scouring systems“. Australian Wool Education Trust licensee for educational activities University of New England.


Das war gut? Vielleicht interessiert Dich auch das hier:

Wolle Waschen – aber wie? Verschiedene Methoden und meine Erfahrungen damit

Der Frühling ist da, die Sonne strahlt und die Temperaturen steigen – das ist die beste Zeit für mich zum Wolle Waschen. Das Thema „Waschen von Rohwolle“ ist ja durchaus vielschichtig und es gibt viele Meinungen dazu. Natron, Spüli oder Power Scour – in diesem Artikel teile ich meine Erfahrungen und stelle Dir meine bevorzugte Methode vor.

Warum ist Rohwolle waschen sinnvoll?

Am Wolle waschen scheiden sich ein bissel die Geister. Manche schwören auf das Spinnen frisch geschorener Wolle direkt ab Schaf, wenn das Lanolin noch geschmeidig ist, und waschen erst das fertige Garn. Andere bevorzugen aus unterschiedlichen Gründen zum Spinnen bereits gewaschene Wolle.
In beiden Fällen wird die Wolle also durchaus gewaschen, aber manche tun es eben vor und manche nach dem Spinnen. Welche Variante besser ist, entscheidet die persönliche Vorliebe, aber es gibt auch ein paar hygienische Aspekte zu bedenken. Denn wenn man es ganz genau betrachtet, duschen Schafe ja gar nicht so oft, und so ist in einem Vlies eine ganze Menge Zeug enthalten, was sich so übers Jahr ansammelt.
Schauen wir uns mal genauer an.

Das ist drin in der Wolle

Rohwolle enthält verschiedene Arten von Verunreinigungen, die durch das Waschen entfernt werden sollen. Diese Verunreinigungen sind (nach „Wollkunde“ S. 292 ff.):

  • Fettschweiß, bestehend aus
    • Wollfett (wool grease)
    • Wollschweiß (suint)
  • Schmutz (Pflanzenteile, Urin- und Kotreste, Sandpartikel, Staub)

Manche Verunreinigungen sind auswaschbar, andere nicht.

Auswaschbare Verunreinigungen

Fettschweiß (engl. yolk) besteht aus Wollwachs (das manchmal fälschlicherweise Wollfett genannt wird) und Wollschweiß. Fettschweiß ist eine Emulsion der Ausscheidungen von Talg- und Schweißdrüsen der Schafhaut. Das Wollwachs (Lanolin) ist wasserunlöslich, der Wollschweiß ist hingegen wasserlöslich.

Fettschweiß klebt und hält Schmutz fest. Wenn man also Schmutz restlos entfernen will, muss man auch den Fettschweiß entfernen, der den Schmutz festhält. Qualität und Quantität des Fettschweißes sind sowohl individuell als auch von Rasse zu Rasse verschieden. Anlagen des Tieres, Haltungsbedingungen, Fütterung, selbst die Bodenbeschaffenheit und das jeweilige Klima haben offenbar einen Einfluss (vgl. „Wollkunde“, ibd.)

Der Wollschweiß setzt sich hauptsächlich aus anorganischen Salzen (v.a. Kaliumcarbonat, Kaliumsulfat und Kaliumchlorid) Kaliumsalzen von Fettsäuren und aus Peptiden zusammen. Das Wollwachs ist ein Gemisch aus verschiedenen Estern sowie langkettigen gesättigten Fettsäuren (Wachse). Es enthält keine Glycerinester und ist somit chemisch betrachtet kein Fett.

Der Reinwollgehalt (also der Anteil reiner Wolle am Vliesgewicht) wird in Tabelle 52 der „Wollkunde“ mit 38 % für ein Merinofleischschaf bei Vollschur angegeben, für ein Rhönschaf mit 45 % und für Ostfriesisches Milchschaf mit 60 %. Je feiner eine Wolle, desto höher ist i.d.R. der Fettschweißgehalt (bzw. desto niedriger der Reinwollgehalt).

Nicht auswaschbare Verunreinigungen

Einige Verunreinigungen wie z. B. Pflanzenteile lassen sich durch Waschen nicht entfernen und sollten vor der Weiterverarbeitung weitestgehend mit der Hand ausgesammelt werden. Zwar fällt ein Teil der Pflanzenteile bei Kardieren und / oder Spinnen manchmal heraus, aber vor allem sehr kleine Reste oder Kletten bleiben tief in der Wolle. Sie stechen dann aus dem Garn hervor, wenn sie nicht vor dem Spinnen entfernt werden.

Nicht immer lässt sich aller Fettschweiß aus der Wolle entfernen. Neben dem leichtlöslichen (im Lehrbuch auch als gutartiger) Fettschweiß gibt es auch schwerlöslichen, bösartigen Fettschweiß. Er ist harzig oder wachsartig und klebend und kann durch Waschen nicht entfernt werden. Mir ist so etwas einmal bei einem gekauften Clun Forrest-Vlies begegnet.

Nahaufnahme eines harten braunen Klumpens bösartigen Fettschweißes in Schafwolle.
Harte, harzartige Klumpen in Rohwolle, es handelt sich vermutlich um bösartigen Fettschweiß. Der Klumpen weichte beim Waschen zwar auf, löse sich aber nicht und verblieb in der Wolle. Es half nur: Rausschneiden.
Nahaufnahme eines Klumpens bösartigen Fettschweißes in Schafwolle nach dem Waschen. Er ist weißlich und lässt sich nicht von der Wolle trennen.
Besagter Klumpen nach dem Waschen. Klebte wie Hulle und ließ sich nur mit der Schere entfernen.

Farbmarkierungen, mit denen die Schafe gekennzeichnet wurden, sind ebenfalls nicht immer vollständig auswaschbar (entgegen den Herstellerangaben). Dazu habe ich schon mal ein Experiment gemacht.

rote Farbe im Schafvlies und auf Fingern
Farbmarkierungen in Vliesen. Die gehen auch nicht so richtig gut raus…

Die EU-Verordnung: Schafwolle ist tierisches Nebenprodukt

Schafwolle wird ja meist als ein Naturprodukt und damit per se als ungefährlich oder sogar heilsam wahrgenommen. Das ist aber so nicht immer richtig. Was nämlich gar nicht so weithin bekannt ist: durch Wolle können  auch Krankheitserreger übertragen werden. Sally Coultheart berichtet in ihrem Buch “A Short History of the World According to Sheep” auf S. 258 über die im 19. Jhd in England verbreitete “Wollsortierer-Krankheit”. Die Wollsortierer in Bradford hatten eine durchschnittliche Lebenserwartung von 18 Jahren, viele infizierten sich beim Sortieren importierter Wollballen mit Milzbrand (Anthrax) und starben sehr früh.

Heutzutage ist Anthrax zwar kein Thema mehr in der Schafhaltung, aber was für Bacillus anthracis möglich ist, geht sicher auch mit anderen Erregern. Ein gewisses (wenn vielleicht auch sehr geringes) Risiko für z.B. die Übertragung von Maul- und Klauenseuche durch Wolle und Tierhaare kann nicht komplett ausgeschlossen werden. 

Schafwolle ist daher in der EU als ein tierisches Nebenprodukt Klasse 3 eingestuft. Es gibt eine Reihe von Verordnungen, die sich damit befassen (Stand der Gültigkeit: Juni 2024)

  • 1069/2009 (Hygienevorschriften für nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte tierische Nebenprodukte)
  • 142/2011 (Durchführungsverordnung für 1069/2009, plus Festlegungen für Grenzkontrollen)
  • 1063/2012 (Ergänzung zu 142/2011, hier werden explizit Bedingungen genannt, nach deren Einhaltung von Wolle keinen tierseuchenschutzrechtlichen Einschränkungen mehr unterliegt)

Für die Verwendung von Schafwolle als Dünger gibt es übrigens eigene Dpünger-Vorschriften, auf die ich hier nicht eingehe.

In praktischer Konsequenz bedeutet das, dass ungewaschene Schafwolle damit gewissen Restriktionen bezüglich Handhabung und Transport unterliegt. Nicht jeder darf demnach einfach so mit Rohwolle umgehen. Verarbeitende Betriebe (also Betriebe, die mit Rohwolle umgehen) müssen beispielsweise bei ihrem zuständigen Amtsveterinär registriert sein und werden regelmäßig inspiziert. Privatpersonen, die NICHT Halter der zugehörigen Schafe sind, dürfen Rohwolle nach meinem Verständnis nur für sich selbst verarbeiten und nicht an andere abgeben.

Wer ganz sicher sein will, dass seine Wolle tierseuchentechnisch nicht mehr relevant ist, kann lt. der Verordnung 1063/201 Art 1 Abs 2 (d)).2 die Wolle für 120 Tagen bei 4 °C (bei höheren Temperaturen entsprechend kürzer) lagern. Nach Ablauf der Frist geht offenbar von der Wolle kein Risiko mehr aus. Schaut am besten nochmal nach.

Bitte beachte: alle hier zusammengetragenen rechtlichen Informationen sind Ergebnis meiner Recherche und meines Verständnisses. Ich bin aber keine juristische Fachperson, die Angaben stellen also keine Beratung dar. Wenn Du planst, mit Rohwolle zu arbeiten, erkundige Dich bei den für Dich zuständigen Behörden, wie Du vorgehen kannst.

Wie kann ich meine Rohwolle waschen?

Für das Reinigen von Rohwolle im Hobby-Bereich gibt es mehrere Verfahren. Gute Hintergrundinformationen und Anleitungen findest Du in dem Buch „Schafwolle verarbeiten“ aus dem Ulmer Verlag.

Diese Verfahren sind mir bekannt:

  1. Waschen mit Regenwasser
  2. Waschen mit Detergentien (Power Scour, Spüli, Allzweckreiniger…)
  3. Waschen mit Pottasche oder Natron
  4. Fermentieren

Bei Verwendung von Haushaltsreinigern bzw. -waschmitteln solltest Du darauf achten, nichts mit Enzymen (Proteasen) zu verwenden, da diese die Wolle durch proteolytischen Abbau schädigen.

Material und Geräte

Zum Waschen von Rohwolle verwende ich Gefäße, die ich für nichts anderes verwende, insbesondere nicht für saubere Wolle oder gar Lebensmittel. Ich verwende:

  • Wäschesäcke
  • Abtropfsieb
  • schwarze Mörtelwannen (für ca. 500 – 600 g Wolle pro Durchgang)
  • Zentrifugalschleuder (second hand)
  • einen schönen Stock zum Unterstuken (ein Wäschestampfer vom Flohmarkt wäre natürlich besser)
  • kaltes Wasser (zum Einweichen)
  • heißes Wasser (zum Waschen)
  • div. Eimer zum Wassertransport
  • für die Pottasche-/ Natron-Methode: ein Einkochautomat
  • Timer / Kurzzeitwecker
  • Wasch-Agens nach Wahl
  • Essig oder Zitronensäure

Schritt 1: Mit Wasser einweichen

Um die gröbsten wasserlöslichen Verunreinigungen aus dem Vlies zu entfernen, weiche ich die Wolle zunächst mindestens über Nacht bis mehrere Tage in kaltem Wasser ein. Dazu teile ich das Vlies in ca. 400 – 500 g-Portionen ein, lege diese Portionen in Wäschesäcke und lege diese Wäschesäcke wiederum in mit Leitungswasser gefüllte schwarze Mörtelwannen. (Regenwasser wäre besser, weil es weicher ist, das steht mir aber nicht zur Verfügung. Mit Leitungswasser habe ich bislang keine schlechten Erfahrungen gemacht.) Die Wäschesäcke sind sehr groß, die Wolle darf nicht zu dicht darin gepackt sein. Wenn sie einmal nass ist, sollte sie maximal das untere Fünftel des Wäschesackes füllen (eher weniger). Die Wolle wird untergedrückt, bis sie sich einigermaßen vollgesaugt hat und dann möglichst wenig bewegt.

Ich verwende die Wäschesäcke, weil ich die Wolle so leichter von Schritt zu Schritt transportieren kann. Das hat aber auch den Nachteil, dass die Wolle sich nicht komplett frei in der Waschflüssigkeit bewegen kann. Wenn ich die Wäschesäcke zu voll stopfe, kann es passieren, dass die Wolle aussen gut gewaschen ist, die ganz inneren Schichten aber noch fettig sind, weil die Waschflüssigkeit einfach nicht so leicht dorhin kam. Darum achte ich immer darauf, lieber die Netze nicht zu voll zu machen und nehme einen Waschgang mehr in Kauf.

Nach Ablauf der Einweichzeit (mindestens über Nacht, gerne länger) nehme ich die Wäschesäcke vorsichtig aus dem Wasser, lasse sie in einem Sieb abtropfen und schleudere die Wolle aus. Bei Bedarf wiederhole ich das Einweichen in kaltem Wasser, um möglichst viel Schmutz abzureichern.

Die geschleuderte Wolle ist zu diesem Zeitpunkt von den gröbsten Verunreinigungen befreit und sieht meist schon recht sauber aus (auch wenn bei nochmaligem Einweichen mit kaltem Wasser oft noch beträchtliche Mengen Schmutz das Waschwasser trüben). Sie kann nun entweder gleich weitergewaschen oder getrocknet und aufbewahrt werden (je nach zur Verfügung stehender Zeit).

Aufsicht auf braun-trübes Einweichwasser von Schafwolle. Auf der Oberfläche ist Schaum zu sehen, der aber nicht von Waschmitteln herrührt.
Das Einweichwasser einer Portion Wolle. Der Schaum auf der Oberfläche stammt NICHT von einem Waschmittel sondern hatte sich während der Einweichzeit gebildet (und beim Herausnehmen und Ausdrücken der Wolle).

In diesem Schritt wird wie gesagt der lösliche Wollschweiß entfernt. Er ergibt zusammen mit dem Wasser eine seifenartige Lösung mit pH ca. 8, man kann nach dem Einweichen die typische Schaumbildung an der Oberfläche der Waschflüssigkeit erkennen. (Das ist vermutlich das, was oft als “schafeigene Seife” bezeichnet wird.)

Für manche ist an dieser Stelle schon Schluß, denn wer das Lanolin in der Wolle erhalten möchte, sollte auf Detergentien und waschaktive Substanzen wie Pottasche oder Natron verzichten oder sie nur sehr sparsam einsetzen. (Wenn Du das auch so machen möchtest: beachte dann, dass die Wolle nach diesem Schritt immer noch ein tierisches Nebenprodukt ist.)

Allerdings wird das Lanolin manchmal harzig, klebt und riecht komisch. Daher versuche ich immer, es so gut wie möglich auszuwaschen oder es zumindest zu reduzieren.

Schritt 1 ist also bei mir immer eine Vorbehandlung, danach geht es dann an das “richtige” Waschen.

EIne Hand hält einen rohen Stapel Merinofleischschafwolle. Die obere Hälfte ist graubraun verschmutzt, die untere Hälfte strahlend weiß.
Ein schöner Stapel Merinofleischschaf. Dieser Dreck lässt sich problemlos auswaschen.

Schritt 2: Mit Wasser und waschaktiven Substanzen

Um auch das Lanolin (unlösliches Wollwachs) zu entfernen, muss es zunächst verflüssigt (d.h. geschmolzen) und danach entfernt werden. Der Schmelzpunkt von Lanolin liegt bei 35 – 40°C (Tab 53, “Wollkunde”), in den verschiedenen Waschrezepten ist mir meist eine Waschtemperatur um die 60°C begegnet. Mit dieser Temperatur habe ich gute Erfahrungen gemacht. Das geschmolzene Lanolin wird anschließend mit Detergentien (Power Scour, Frosch Reiniger, Spüli…) oder mit Pottasche bzw. dem etwas schonenderen Natron gebunden und ausgewaschen.

Power Scour oder Spüli (Detergentien)

Detergentien sind chemische Substanzen, die sowohl einen fettliebenden als einen wasserliebenden Teil in ihrem Molekülaufbau aufweisen (sogenannten “Zwittercharakter”). Sie sind quasi der Vermittler zwischen dem fettlöslichen Lanolin und Wasser. Mit ihrem fettliebenden Teil können sie sich an das Lanolin anlagern und mit dem wasserliebenden Teil bleiben sie im Wasser löslich, auch wenn sie schon Lanolin gebunden haben.

Power Scour (scour engl. Scheuern) ist ein solches Detergens. Es ist speziell für das Waschen von Rohwolle entwickelt worden. Der Hersteller von Power Scour empfiehlt eine Waschtemperatur von ca. 60°C, um das Lanolin zu schmelzen und so leichter für das Detergenz zugänglich zu machen.

Das Power Scour wird in das heiße Wasser (ich nehme ca. 18 – 20 l in einer schwarzen Mörtelwanne) gegeben und verrührt, die Menge richtet sich nach dem Fettgehalt der Wolle, um sie nicht zu wenig und nicht zu stark zu entfetten. Vorgeschlagen werden 15 ml für 500g Rohwolle. Ich habe bei weniger fettigen, gröberen Wollen mit 10-12 ml gute Ergebnisse erzielt, manchmal reichen auch 5 ml.

In die heiße Waschlösung lege ich den Wäschesack mit der vorgewaschenen, aufgelockerten Wolle und lasse sie für 15 – 20 min darin liegen. Ich bewege sie möglichst wenig, um ein Filzen zu vermeiden. Ab und an stuke ich sie mit einem Holzlöffel oder Stock unter, damit sich die Waschlösung gleichmäßig im Inneren des Wäschesackes verteilt und die Wolle nicht außen stärker gewaschen ist als innen. Durch das Detergens herausgelöstes Lanolin trübt die Waschlösung milchig ein.

Nach Ablauf der Zeit hebe ich die Wolle im Wäschesack in ein Abtropfsieb, drücke sie vorsichtig aus und schleudere sie anschließend aus. Danach wird sie in Spülbädern absteigender Temperaturen gespült, bis das Spülwasser klar bleibt. Der letzte Spülgang enthält meist einen Schuß Essig- oder Zitronensäure, um die Fasern zu pflegen (die Schuppen legen sich dann an). Nach jedem Spülgang schleudere ich die Fasern und lege sie zum Schluss auf Wäscheständer zum Trocknen aus.

Man sollte darauf achten, dass die Wolle nicht im ersten Spülwasser oder gar im Waschwasser wieder erkaltet, da sich sonst das verflüssigte und an Detergentien gebundene Wollfett wieder abscheiden und über die Fasern legen kann.

Bei Verwendung von anderen Detergentien (Spüli, Frosch Reiniger…) verfahre ich prinzipiell genauso, allerdings passe ich die Dosierung an das jeweilige Reinigungsmittel an. Die Verwendung von 40ml Frosch-Reiniger (also der 4fachen Menge im Vergleich zu Power Scour) entfernte beispielsweise einen deutlich geringeren Teil des Wollfettes, die Fasern fühlten sich noch deutlich fettig an. Mit Spüli waren die Fasern eher strohig und fühlten sich geschädigt an.

Eine Hand hält eine Woll-Locke, ungewaschen, die Spitzen sind mit Farbmarkierer verklebt.
Reste von Markierungsspray in den Spitzen von Merinofleischschafwolle. Die Klumpen waren hart und mit meinen Waschmethoden nicht zu entfernen.

Pottasche oder Natron

Bevor es moderne Detergentien gab, wurde zum Wolle Waschen Natron oder Pottasche verwendet.

10 g Haushaltsnatron (Natriumhydrogencarbonat) pro Liter Wasser werden in einem Liter heißen Wasser aufgelöst und anschließend auf das finale Waschvolumen gebracht. Für 500 g- Portionen Wolle nutze ich meist 20 – 25 L Wasser (finales Volumen) in einem Einkochautomaten. Die Temperatur wird auf ca. 50 °C gebracht und die Wolleportion entsprechend dem Protokoll im Buch “Schafwolle verarbeiten” für 3 min eingelegt. (Oberhalb 50 °C zerfällt Natron unter Abgabe von Wasser und CO2 zu Waschsoda (Natriumcarbonat), und greift die Wolle stärker an).

Für das Erwärmen des Wassers benutze ich einen Einkochautomaten. Ich lege kleinere Portionen Wolle ein, die sich frei bewegen können. Um die Wolle gut herausholen zu können, habe ich ein Kinderwagen-Moskitonetz in den Automaten gehängt, das ich dann nur noch anheben muss, um an die Wolle zu kommen. Das Netz bleibt im Wasser, ich entnehme nur die Wolle.

Die Wolle wird nach 3 min entnommen, sofort geschleudert und mehrmals mit absteigender Temperatur gespült. Dem letzten Spülgang wird unbedingt Essig oder Zitronensäure zugesetzt, um den pH in den für Wolle günstigen sauren Bereich zu bringen. Der hohe pH des Natron-Bades würde die Wolle sonst auf Dauer schädigen und spröde machen. Wenn Du Deine mit Natron (oder Pottasche) gewaschene Wolle nicht ausreichend gespült hast, kann es passieren, dass sie beim nächsten Bad in Essigwasser (z.B. in einem Entspannungsbad) anfängt zu sprudeln…

Für Pottasche wird ein vergleichbares Verfahren verwendet, allerdings variiert die Verweildauer der Wolle in der Waschlösung (ich habe bis zu 10 min gelesen). Selbst ausprobiert habe ich das Pottasche-Verfahren noch nicht.

Schritt 3: Spülen und Trocknen

Egal, mit welchem Waschmittel ich meine Wolle gewaschen habe, das anschließende Spülen ist bei allen Verfahren wichtig. Reste der Waschaktiven Substanzen sollten entfernt und der pH am Ende in den sauren Bereich gebracht werden. Beim Waschen mit Detergentien senke ich die Temperatur des Spülwassers allmählich ab und verwende nicht gleich nach dem heißen Waschen kaltes Wasser. So kann ich Temperaturschwankungen vermeiden, die die Wolle zum Filzen bringen.

Seit ich meine Schleuder habe, kann ich auch sagen: Schleudern spart unglaublich Spülwasser. Es lohnt sich, da mal auf Flohmärkten Ausschau zu halten. Für kleine Portionen habe ich auch schon eine Salatschleuder erfolgreich eingesetzt.

Zum Trocknen stelle ich einen Wäscheständer im Schatten auf und lege darauf eine alte Gardine. Auch Moskitonetze für Kinderwagen eignen sich hervorragend, wenn die zugehörigen Kinder dem Kinderwagen entwachsen sind (bitte nicht die Netze zum Wollewaschen nehmen und danach den Kinderwagen damit bespannen…). Die Wolle drauf ausbreiten, mit dem Wäschenetz oder noch einem Moskitonetz bedecken und trocknen lassen. Wenn die Wolle geschleudert wurde, geht das ziemlich schnell.

hellgraue gewaschene Schafwolle im Vlies liegt auf einem Tisch. Nahaufnahme.
Saubere, schafig duftende, frisch gewaschene Wolle. Ich liebe den Geruch!

Die wilde Alternative: Fermentieren

Und dann gibt es da noch die Wilde Alternative: Das Wolle-Fermentieren. In der Broschüre “Scouring Wool” (Seiten 56 – 58) wird folgende Vorgehensweise beschrieben: Das Vlies wird in Regenwasser eingelegt (kein Leitungswasser) und je nach Außentemperatur 1 – 3 Wochen darin belassen. In dieser Zeit vermehren sich offenbar in Luft und Wasser vorhandene Mikroorganismen und bauen z. B. Pflanzen-, Kot- und Urinreste ab, angeblich sogar einen Teil des Lanolins. Nach drei Wochen entnimmt man das Vlies und spült den von den Mikroorganismen gebildeten Biofilm ab. Die zurückbleibende Wolle soll frisch riechen und nur noch wenig Lanolin enthalten. An anderer Stelle habe ich gelesen, dass man die Brühe mehrfach wiederverwenden kann und sie mit jedem Vlies potenter würde, weil sie quasi schon mit den richtigen Mikroorganismen beimpft sei und außerdem die schafeigene Seife enthielte.

Du hörst es vielleicht schon raus: An der Fermentation als Waschmethode scheiden sich die Geister. Im Buch “Schafwolle verarbeiten” wird es nicht empfohlen, und auch meine Erfahrungen damit sind nicht sehr positiv. Wer sich noch an den Geruch eines Heuaufgusses aus dem Biologieunterricht erinnert oder schon mal Brennesseljauche für den Garten hergestellt hat: Wolle fermentieren kommt dem auf olfaktorischer Ebene sehr sehr nahe. Zwar wird immer wieder berichtet, der Geruch wäre in der fertigen Wolle nicht mehr zu bemerken, aber das kann ich nicht bestätigen. Ich habe einmal Milchschaf auf diese Weise fermentiert, und auch nach vielen Spülgängen war bei mir der Fäulnisgeruch nicht verschwunden. Somit war der Wasserverbrauch beim Fermentieren für mich auch viel höher als bei meinen anderen Waschmethoden. 

Von der Geruchsbelästigung mal abgesehen, enthielt die fermentierte Wolle sowohl Pflanzenreste als auch immer noch viel Lanolin, was für mich nicht sehr erstrebenswert ist. Zwar wird behauptet (so.o.), dass sowohl Lanolin als auch Pflanzenreste bei der Fermentation abgebaut würden, dies kann ich aber aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. 

Auf der anderen Seite weiß ich, dass es Forschungsbestrebungen in Belgien und Großbritannien in diese Richtung gibt (z. B. “Microbial Scouring” , Jennifer Hunter von Fernhill Fibres hat sich mal damit beschäftigt und einen Bericht darüber geschrieben (für das pdf musst Du auf der Zielseite auf „Download Report“ klicken)). Ob diese Methoden im Einklang mit der EU-Verordnung zu tierischen Nebenprodukten sind, ist mir nicht klar, da ja hier nichts erhitzt wird und ich nicht einschätzen kann, ob diese Fermentation eine der industriellen Wäsche (nach der EU-Verordnung) vergleichbare Methode ist. Die sehr nährstoffreiche Fermentationsbrühe wird jedenfalls gerne als Dünger im Garten verwendet.

Zum Thema „Wolle Fermentieren“ habe ich hier einen Artikel geschrieben.

Fazit: Mein Favorit ist Power Scour.

Die Heiße Wäsche mit Power Scour ist meine bevorzugte Waschmethode, mit ihr habe ich die besten Erfahrungen gemacht. Bei zu niedriger Dosierung des Power Scour bleibt etwas Fett in der Wolle zurück, das dann mit der Zeit die Wolle etwas verkleben kann. In diesem Fall kann man die Wolle meist einfach nochmal heiß waschen.

Die Natron-Methode habe ich an einem Krainer Steinschaf-Vlies selbst ausprobiert. Das ist schnell und günstig, aber die Wolle wirkte am Ende trotzdem etwas trocken. Die Pottasche-Methode habe ich selbst noch nicht ausprobiert, aber ich habe ein Coburger-Fuchs Vlies zum professionellen Waschen eingeschickt, dort wurde die Pottasche-Methode angewendet. Auch dieses Vlies ist schön sauber geworden und duftet leicht schafig. Dennoch ist es auch hier so, dass sich die Wolle  „trockener“ anfühlt als mit Power Scour gewaschene Wolle. Nicht falsch verstehen, die Wolle war nicht geschädigt, aber eben auch nicht super geschmeidig. Ich kann jedoch nicht mit Sicherheit sagen, ob das am Waschverfahren liegt oder an den Fasern. Dafür hätte ich je eine Hälfte des Vlieses jeweils einem Waschverfahren unterziehen müssen, um beide Verfahren vergleichen zu können.

Für gröbere Wollen finde ich das Pottasche- bzw. Natron-Verfahren in Ordnung (es ist auch günstiger), feinere Wollen würde ich mit dem schonenderen Power Scour waschen. Zwar haben feinere Wollen oft einen höheren Fettgehalt, so dass keine Gefahr einer zu starken Entfettung durch Natron oder Pottasche bestehen dürfte, auf der anderen Seite sind bei feineren Fasern Schädigungen durch Alkali vermutlich schneller passiert als bei robusten Fasern. Auf Spüli oder Allzweck-Reiniger würde ich erst zurückgreifen, wenn ich gerade weder Natron noch Pottasche im Haus habe und meine Power Scour-Vorräte irgendwann erschöpft sind.

Die Fermentationsmethode habe ich ein einziges Mal mit Ostfriesischem Milchschaf ausprobiert. Diese Methode brauchte viel Wasser, weil die Vliesstücke so stanken aromatisch waren und der Geruch sich beim ersten (zweiten, siebten…) Waschgang nicht verflüchtigte. Außerdem wurde das Lanolin nicht entfernt und die Wolle klebte hinterher. Die Fermentation werde ich nicht nochmal machen, es sei denn es drängt sich mal ein Experiment auf.

An einem mit Motten befallenen Vlies habe ich ein einziges Mal parallel zum Vergleich Power Scour, Frosch-Lavendelreiniger und Natron-Methode ausprobiert. Der Lavendelreiniger ließ (trotz hoher Dosierung) noch Fett in der Wolle zurück, mit Natron wurde die Wolle wie beschrieben trocken, mit Power Scour schön seidig. Schade, dass es mit Motten befallen war…


So. Das war es erst mal. Ich hoffe, ich konnte Dir einen kleinen Überblick über verschiedene Waschverfahren und meine Erfahrungen damit  geben. Wenn Du Dich da einlesen willst, kann ich Dir das Buch “Schafwolle verarbeiten” wirklich sehr ans Herz legen.

Zum Thema Fermentieren geht mir auch noch eine Menge im Kopf herum, und ich habe spannende Artikel dazu gefunden, aber das bearbeite ich mal in einem eigenen Artikel – Stay tuned!

…und dann war da noch Beates Methode (Update)

[Update Juni 25]

Ich liebe ja Spinntreffen, und ich lerne auch immer was dazu. So ging es mir auch bei den Waschmethoden. Beim letzten Spinnfest im Juni 2025 demonstrierte die liebe Beate, wie sie die Wolle ihrer Schafe wäscht. Sie hatte eine Waschstraße aufgebaut mit Mörtelkübeln voll klarem Wasser, und ihren Wäschestampfer aus dem Antik-Trödel hatte sie auch mitgebracht. Für die Demonstration hatte sie etwas frisch geschorene und vorsortierte Wolle ihrer Schwarzkopfschafe dabei.

Beate wäscht ihre Wolle so:

Schritt 1: Die Wolle wird in klares Wasser eingelegt und mit dem Wäschestampfer einige Minuten sachte untergestukt. Das klare Wasser wird schnell sehr trüb.

Schritt 2: Die Wolle wird aus dem Kübel geholt und in einen Abtropfkorb gelegt. Sie ist jetzt schon deutlich weißer als zu Beginn.

Schritt 1 und zwei werden insgesamt ca. 4 Mal gemacht (je nach verfügbarer Zeit und Verschmutzungsgrad). Das benutzte Wasser kommt zum Düngen in den Garten.

Schritt 3: In einen Kübel mit klarem kaltem Wasser werden ca 3 Messkappen voll Wollwaschmittel gegeben (aus dem Supermarkt, das günstige). Die vorgewaschene Wolle kommt hinein, wird wieder untergestukt mit dem Wäschestampfer, ein paar Minuten gewaschen und dann wieder mit den Händen herausgeholt und in einen Abtropfkorb gelegt.

Schritt 4: Das Waschmittel wird in klarem Wasser ausgespült und anschließend zum Trocknen ausgelegt.

Beate wäscht ihre Wolle immer so, und entgegen meinen Erfahrungen mit dem Spüli ist ihre Wolle überhaupt nicht mehr fettig, auch nicht spröde oder sonst irgendwie unangenehm. Entgegen allen Lehrbuchangaben scheint das Lanolin auch mit kaltem Wasser überwiegend rausgegangen zu sein, es blieb kein klebrig-fettiges gefühl an den Händen. Sie hatte bereits vor einiger Zeit gewaschene Wolle zum Zeigen dabei, und die war einfach nur fluffig.

Vielleicht liegt es am Waschmittel (Wollwaschmittel hab ich tatsächlich noch nicht versucht), vielleicht an der Schafrasse und einem möglicherweise geringeren Lanolingehalt. Eins ist sicher: auch Beates Methode funktioniert toll, davon konnte ich mich überzeugen!

Einziges Manko: da hier nicht auf mindestens 60°C erhitzt wird, ist die Wolle nach diesem Verfahren eigentlich immer noch ein tierisches Nebenprodukt, zumindest noch solange, wie die in den Regularien angegebenen Lagerzeiten nicht abgelaufen sind. Bitte beachte das, wenn Du so waschen möchtest.

Merke: Nur Versuch macht kluch!

Noch mehr Inspiration

Wenn Du Dir noch ein umfassenderes Bild zum Wolle-Waschen machen möchtest, verlinke ich Dir hier ein paar Blogartikel zum Thema:

Literatur

“Scouring Wool – Wool Scouring in Europe: Urgent and Ecological Solutions”, Tagung in Saugues (Haute-Loire), 4.-6.11.2015 (Tagungsbroschüre)

„Growing and marketing fine wool in native colours”, Jennifer Hunter, November 2015. A Nuffield Farming Scholarships Trust Report, Abschnitt 11

„A Short History of the World According to Sheep“ von Sally Coulthard
Head of Zeus 2020, ISBN 9781789544206

“Schafwolle verarbeiten. Schafrassen, Wollkunde, Filzen, Spinnen” von Margit Röhm, Katrin Sonnemann, Ulrike Claßen-Büttner. Ulmer Verlag 2023, ISBN 978-3-8186-14-84-3

„Von Faser, Farben und Fäden“ Ulrike Bogdan 2015, ISBN 978-3-00-048308-0


Das war spannend? Vielleicht interessiert Dich das hier auch:

Flachs spinnen (und was es vom Wolle spinnen unterscheidet)

Flachs spinnen ist ja eine Sache für sich, vor allem, wenn man wie ich bislang fast ausschließlich tierische Fasern versponnen hat. Letztes Jahr bin ich über einen Workshop aber auf den Geschmack für Pflanzenfasern gekommen ( hier ein Blogartikel dazu), und dieses Jahr will ich mich nun intensiver mit der Verarbeitung von Flachs beschäftigen. Dazu mache ich ein langfristiges Experiment: Ich mache mit bei 1 qm Lein und baue mir einen Quadratmeter Flachs an, den ich dann (hoffentlich!) bis zum Garn verarbeiten werde.

Zur Einstimmung auf mein Flachsjahr schreibe ich hier über die Besonderheiten beim Spinnen von Flachs und was man im Hinterkopf behalten kann, wenn man diese Faser verarbeiten möchte.

Die Flachsfaser – Aufbau und Eigenschaften

Eine Faser ist eine Faser ist eine Faser. Das dachte ich immer, weil ich ja überwiegend Wolle versponnen habe, und ein Schaf-„Haar“ ist da ja eine Faser. Bei Seide ist das ähnlich, selbst bei Baumwolle ist ein Samenhaar eine Faser (soweit ich weiß). Für Bastfasern wie Flachs habe ich das nie infrage gestellt, aber hier liegt die Sache etwas anders.

Aufbau

Flachsfasern bestehen genau wie z. B. wie Baumwollfasern aus Cellulose. Hier enden die Ähnlichkeiten aber auch schon, denn im Gegensatz zu Baumwolle sind Flachsfasern Bestandteile des Stängels. Sie liegen nicht einzeln vor, sondern sind in den Stängel eingebettet und von vielen anderen Stängelbestandteilen umgeben. Von diesen Bestandteilen (z. B. Lignin – das Holz) müssen die Flachsfasern erst mühsam getrennt werden, bevor man sie spinnen kann.

Schematische Darstellung des Querschnitts eines Flachsstängels.
Schematischer Aufbau eines Flachsstängels. Ein Klick aufs Bild bringt Dich zur Wiki-Seite für dieses Bild. Merkwürdigerweise verschwindet beim Herunterladen immer das „l“ aus „Bastfaserbündel“. Keine Ahnung wieso…

Aber auch innerhalb des Stängels liegen die Fasern nicht einzeln vor, sondern als Faserbündel. Das, was wir üblicherweise als “Flachsfaser” bezeichnen, ist eigentlich ein Bündel von Fasern. Wie dick das Bündel ist, hängt davon ab, wie viele individuelle Fasern das Bündel noch enthält. Diese individuellen Fasern werden beim Flachs “Technische Fasern” genannt (keine Ahnung warum). Eine Technische Faser ist quasi eine lange Faser, die aus sich überlappenden und irgendwie miteinander verbundenen Einzelfasern (Elementarfasern) besteht. Die Abbildung unten stellt das dar, allerdings ist mir da der Übergang von Technischer Faser zu Elementarfaser nicht so ganz klar.

Ich fasse zusammen: Eine Flachsfaser kann also in dreierlei Form auftreten, nämlich Faserbündel – Technische Faser – Elementarfaser.

Bei der Aufarbeitung der Flachsstängel werden nun die Faserbündel von unerwünschten Bestandteilen getrennt. Die einzelnen Technischen Fasern werden in einem Faserbündel durch einen “Kleber” zusammengehalten (das sind u.a. Pektine). Dieser Kleber kann mit der Zeit abgebaut werden, so dass sich die Faserbündel in sich aufspalten. Das Aufspalten kann sich über die Jahre fortsetzen und so feinere Fasern ergeben (deshalb ist älterer Flachs oft feiner als ganz frischer).

Schematische Darstellung einer Flachsfaser.
Schematischer Aufbau einer Flachsfaser. Ein Klick aufs Bild bringt Dich zur Wiki-Seite. So ganz 100% klar ist mir das mit der Elementarfaser auch noch nicht, sie kommt da irgendwie aus dem Nichts in der Abbildung.

Eigenschaften

Da ich bislang fast ausschließlich Schafwolle versponnen habe, musste ich mich an einige Eigenschaften der Flachsfaser besonders gewöhnen: sie ist nicht elastisch (wobei es auch relativ unelastische Wollen gibt …), relativ steif und auch hart. Das habe ich ganz besonders im Daumen gemerkt: Durch die Steifigkeit und Härte überträgt sich Drall relativ schnell entlang der Faser. Wenn der Drall nicht in den Faservorrat gelangen soll (wo er ja nicht hingehört), muss er deutlich härter und mit mehr Kraft abgeklemmt werden, als das bei Wolle der Fall ist. Daher kommt dann wohl auch der dicke Daumen im Märchen…

Flachsfasern haben zwar keine Schuppen wie Wolle oder Haare, aber eine Richtung ist ihnen naturgemäß vorgegeben: an einer Seite waren die Wurzeln, an der anderen die Blüten. Während der Aufarbeitung werden die Stängel immer in eine Richtung geordnet, nie wild durcheinander. Ob das eine Auswirkung aufs Spinnen hat (so wie die Schuppen bei den Tierhaaren), hab ich noch nicht ausprobiert.

Die Fasergewinnung

Während man Wolle quasi spinnfertig vom Schaf ernten kann, sind die Fasern des Flachs noch nicht wirklich zugänglich. In einem aufwändigen Prozess müssen sie vom Rest der Pflanze separiert und aufbereitet werden. Dieser Prozess umfasst die folgenden Schritte:

Raufen (+ Trocknen)

Die Pflanzen werden zum Erntezeitpunkt samt Wurzeln aus der Erde gerupft und zum Trocknen in Garben aufgestellt oder aufgehängt.

Riffeln

Die rascheltrockenen Blütenstände bzw. Samenkapseln werden entfernt, indem ein Pflanzenbündel durch eine Art grobzinkigen Kamm gezogen wird.

Rösten (+ Trocknen)

Die Halme werden entweder auf dem Feld ausgelegt (Tauröste) oder in ein (stehendes oder fließendes) Gewässer eingelegt (Teichröste). Boden- oder Wasserbakterien wirken auf die Halme ein, und dadurch wird ein Großteil der nicht faserigen Bestandteile teilweise zersetzt. (Vielleicht erinnerst Du Dich an eine Heuaufguss-Experiment im Biologieunterricht? So etwa kannst Du Dir die Teichröste vorstellen.) Die Röste ist ausreichend, wenn man die Faserbestandteile mit der Hand gut vom Rest der Stängelbestandteile trennen kann. Die Garben müssen anschließend getrocknet werden, da der Röstprozess in Anwesenheit von Feuchtigkeit weiter abläuft und dann auch die Fasern selbst angreift.

Nahaufnahme verschieden gerösteter Flachshalme auf einem Holztisch, die aufgebrochen wurden. Man kann die Faserbündel erkennen.
Verschieden geröstete Flachshalme, die durch Biegen aufgebrochen wurden. Man kann schön die Faserbündel erkennen. Die holzigen Bestandteile lassen sich gut entfernen, die Röste ist ausreichend.

Brechen

Die holzigen Bestandteile der Stängel werden buchstäblich zerbrochen. Historisch gesehen passierte das in Gesellschaft mit speziellen Geräten, heutzutage kann es auch ein Fleischklopfer oder ein Brett sein.

Schwingen

Die gröbsten der zerkleinerten holzigen Bestandteile werden entfernt. Hierbei fällt als Abfall der grobe Schwingflachs an.

Hecheln

Die Flachsfaserbündel werden durch Nagelbretter verschiedener Dichten gezogen und somit weitere unerwünschte holzige Bestandteile entfernt. Als Abfall fällt hier das Werg an.

Zopfen (Langflachs)

Das fertig gehechelte Faserbündel wird in der Mitte gefasst und zur besseren Lagerung zu einem Zopf gedreht. Man hat also am Ende mehrere Faserqualitäten, vom ganz groben Schwingflachs bis zum Langflachs.

ein grosser ungehechelter und fünf kleine gehechelte Flachszöpfe liegen auf einem schwarzen marmorierten Tisch. Aufsicht.
Links ein Zopf, wie man ihn kaufen kann. Er wurde früher mal gehechelt, aber enthält durchaus noch Schäben. Rechts daneben frisch gehechelte kleinere Zöpfchen. Sie glänzen schön und enthalten deutlich weniger Schäben.

Flachsverarbeitung übers Jahr

Das sind eine Menge Herstellschritte, die von der Aussaat am 100. Tag über die Ernte des Flachses (Raufen, um den 200. Tag herum) bis nach Weihnachten andauerten. Im Januar des Folgejahres, nach den Rauhnächten, wenn die Spinnräder wieder laufen durften, wurde dann der Flachs versponnen und verwebt. Flachsverarbeitung brauchte definitiv eine Gemeinschaft.

Gesundheitliche und umwelttechnische Aspekte

Die Arbeit ist nicht nur langwierig und mühsam, sie ist auch nicht immer gesundheitsfördernd und umweltverträglich. Zum einen spielt der Staub eine große Rolle, der sich auf alles legt und die Lungen in Mitleidenschaft zieht. Flachs spinne ich daher am liebsten draußen.

Zum anderen ist v.a. die Teichröste in natürlichen Gewässern heute weitenteils verboten, weil die entstehende Brühe nicht nur unangenehm riecht (denk an den Heuaufguss…) sondern auch gesundheitsbedenklich ist.

In einem Video zum Thema Teichröste wurde erwähnt (bei Minute 12:40), dass gleichzeitig mit den Flachsbündeln auch frisch geschlagene Baumstämme mit in den Teich gelegt wurden (zum Beschweren der Bündel). Nach Abschluss der Röste waren sie dann holzwurmresistent und konnten zum Hausbau verwendet werden… Mit dieser Information im Hintergrund kann ich nur davon abraten, Flachs beim Spinnen mit Speichel benetzen zu wollen. Irks.

Flachsfasern kurz, mittellang und lang auf einem Holzlattentisch. Die kurzen Fasern sind auf einer Handkarde, die mittellangen ca 20 cm liegen direkt auf dem Tisch neben den langen Fasern, die zu Zöpfen gedreht sind.
Verschiedene Faserqualitäten des Flachs. Hier habe ich einen Zopf mithilfe einer Handkarde gehechelt. In der Karde verbleiben die kurzen Fasern, darunter liegen die mittellangen Fasern, und die ganz langen habe ich zu Zöpfchen gedreht.

Flachsfasern spinnen – Techniken und Herausforderungen

Jetzt könnte man meinen, das Spinnen von Flachs kann rein technisch ja so anders nicht sein als das Spinnen von Wolle. Am Ende heißt es : Ziehen und Drehen. Und irgendwie ist das sicher auch so. Dennoch ist es auch anders, nicht zuletzt aufgrund der Fasereigenschaften. Die mangelnde Elastizität und die Steifigkeit der Fasern hatte ich oben schon genannt. Aber auch die schiere Faserlänge von Langflachs macht beim genaueren Hinsehen auch ein anderes Faserhandling erforderlich, als man es von Wolle kennt.

Techniken – der längste Kurze Auszug der Welt

Werg und Schwingabfall sind relativ kurzfaserig und man muss diese Faserqualitäten nicht weiter vorbereiten. Diese Faserqualität ist dem Verspinnen von Wolle noch am ähnlichsten. Früher wurde das Werg in einen korbartigen Rocken gelegt (sah ein bissel aus wie eine kleine Heuraufe) und direkt dort herausgesponnen. Die resultierenden Fäden waren eher grob, dick und stachelig und wurden zum Herstellen von grobem Sackleinen verwendet. Die aus diesen kurzen Fasern gesponnenen Fäden waren nicht ganz so reißfest wie die aus Langflachs gesponnenen, daher wurde Werg oft verzwirnt, Garn aus Langflachs eher nicht.

Mittellange Fasern und Langflachs werden aufgrund ihrer Länge im kurzen Auszug gesponnen. Allerdings ist “kurz” relativ – ein Auszug kann aufgrund der Faserlänge schon mal 20 cm lang sein. Ich nenne das dann den “ längsten kurzen Auszug der Welt”. Eine Hand zieht die Fasern aus dem Rocken / Faservorrat, die andere klemmt den Drall ab.

Beim kurzen Auszug ist idealerweise kein Drall in der Auszugszone. Das bedeutet: die Drallhand hat bei Flachs ordentlich zu tun, denn durch die Steifigkeit der Faser schmuggelt sich der Drall sehr leicht an der Drallsperre vorbei und ist dann schnell im Faservorrat. Schon wenige Umdrehungen im Faservorrat können dazu führen, dass man nicht mehr gescheit ausziehen kann.

Am Kontaktpunkt (an der Spitze des Faserdreiecks) kann man auch die Fasern mit einem Finger befeuchten und so den entstehenden Faden etwas glatter machen. Die Feuchtigkeit aktiviert vorhandene Kleberreste und und sorgt auch dafür, dass die einzelnen Fasern stärker aneinander kleben. Dafür muss man sehr auf die Drallsperre achten.

Herausforderungen: Faserlänge und Ausziehen

Faserlänge

Während das kurzfaserige Werg und auch der Schwingabfall sich noch recht einfach verspinnen lassen und fast keine weitere Vorbereitung erfordern, wird die Handhabung der Fasern mit zunehmender Faserlänge etwas mühsamer.

Mittellange und lange Fasern kann man zum Ausziehen nicht mehr bequem in einer Hand halten. Hier braucht man Hilfsmittel und Techniken, um die Fasern in einem einigermaßen geordneten Zustand erhalten zu können. In den meisten Fällen bedient man sich eines Rockens, aber auch die Handtuchtechnik verwende ich sehr gerne. Das Präparieren des Rockens wird mal akribisch zelebriert und mal ganz pragmatisch vorgenommen – manchmal reicht auch ein Nagel in der Wand zum Aufhängen.

Je länger die Faser, desto weiter müssen die Hände beim Spinnen auseinander sein, um ausziehen zu können. Der Rocken, der die Fasern hält, braucht zusätzlichen Platz am Spinnrad (wenn er nicht direkt daran befestigt ist). Auch wenn man beim Spinnen von Langflachs die Fasern nicht in der Hand hält, muss man trotzdem ungefähr eine Faserlänge ausziehen können, und das können schon mal um die 30 cm sein. Flachs spinnen braucht definitiv mehr Platz als Wolle spinnen.

Ausziehen

Am gewöhnungsbedürftigsten beim Verspinnen von Flachs ist für mich, dass die Faserhand deutlich aktiver am Ausziehen beteiligt ist als beim Wolle spinnen. Meine Faserhand muss einige Fasern aus dem Rocken ziehen, während die Drallhand ausschließlich auf den Drall aufpasst. Beim Wolle spinnen hingegen hält meine Faserhand nur ganz leicht die Fasern und dirigiert etwas den Faserzufluss, während die Drallhand gleichzeitig auszieht und den Drall kontrolliert. Für Wolle funktioniert das gut, aber bei Flachs klappt das dann mit der Drallsperre nicht mehr so richtig. Naja. Ich übe noch.

Anders als beim Wolle spinnen ist meine Drallhand auch nicht UNTER dem Faden (wie bei Wolle), sondern greift VON OBEN um den Faden. Der Rest der Handfläche unterstützt meinen Daumen bei der Drallsperre.

Ich sitze auch etwas anders vor dem Rad, wenn ich z.B. von einem Standrocken spinne. Das Rad steht dann nicht mehr direkt vor mir, sondern eher seitlich – rechts von mir das Spinnrad, links der Rocken und ich dazwischen.

Und irgendwann tut mir vom Drall abklemmen immer der Daumen weh…

Nachbereitung

Während gesponnenes (und ggf gezwirntes) Wollgarn mit einem einfachen Entspannungsbad zufrieden ist, braucht es beim Flachs, Verzeihung: Leinengarn, etwas mehr Arbeit.

Der gehaspelte Strang Leinengarn wird durch mehrfaches Abbinden gesichert und anschließend in einen Topf mit ausreichend Wasser gelegt. Dem Wasser wird ein Teelöffel Waschsoda zugegeben und das Ganze wird dann zum Kochen gebracht und ca 30min gekocht. Im ersten Durchgang erinnert die Farbe der Waschflotte  noch stark an schwarzen Kaffee oder Tee, und man wiederholt diesen Schritt so oft, bis die Waschflotte nahezu farblos ist. Das Waschsoda spült man anschließend mit klarem Wasser aus.

Hängt man den Strang nun zum Trocknen auf, so stellt man schnell fest, dass er dabei steinhart wird: man könnte ihn auch ohne Probleme in die Ecke stellen. Um das zu verhindern, kann man den noch feuchten Strang biegen, d.h. man umfasst einen Bereich mit beiden Händen, biegt ihn zwischen den Händen hin und her und wandert dann mit den Händen eine Handbreit weiter. Das wiederholt man, bis man einmal um den Strang herumgewandert ist.

Ein Wort Zur Spinnrichtung

An verschiedenen Stellen ist mir die Aussage begegnet, Flachs würde im Gegensatz zur Wolle immer in S-Richtung (also gegen den Uhrzeigersinn) versponnen. Nun.

Im Workshop von Christiane Seufferlein von Bertas Flachs habe ich gelernt, dass es historische Funde gibt, die beide Spinnrichtungen belegen. Es wurde also historisch keineswegs IMMER gegen den Uhrzeigersinn gesponnen. (Da ich keine Historikerin bin und mir das auch nicht so wichtig ist, habe ich keine Quellenstudien dazu betrieben, sondern ich verlasse mich an dieser Stelle auf das Wort von Leuten, die sich damit auskennen. So wie Christiane.)

Ich bin persönlich ja auch immer sehr dafür, den Weg zu finden, der zu mir passt. Daher habe ich zu diesem Thema nochmal ausgiebig recherchiert, experimentiert und dann meine Ergebnisse dazu hier zusammengefasst.

Tipps zum Flachs spinnen

Flachs spinnen ist also ein kleines bißchen gewöhnungsbedürftig. Hier sind ein paar Gedanken und Erkenntnisse, die mir beim Flachsspinnen gekommen sind. Vielleicht helfen sie Dir auch weiter – wenn nicht, dann findest Du Deinen eigenen Weg.

  • Flachsfasern reißen fast nicht, besonders Langflachs. Meine Versuche, einen Flachsfaden zu zerreißen, sind fast immer gescheitert. Es tut in den Fingern weh, lange bevor der Faden reißt. Wenn er denn reißt. Ich hab immer eine Schere in Reichweite.
  • Ich bereite nur so viele Fasern vor, wie ich in einem Rutsch verspinnen kann.
  • Wenn Du nass spinnen möchtest, sollte die Feuchtigkeit die Fasern erreichten, kurz bevor sie zum Faden verdreht werden. Den fertigen Faden zu benetzen, bringt nicht den gewünschten Erfolg. Geh mit der Feuchtigkeit nicht zu dicht an den Faservorrat. (Soweit der Plan. Es gelingt mir auch nicht immer.)

Wo bekommt man Flachs?

Na, Lust bekommen, Flachs zu verarbeiten? Hier bekommst Du welchen:

  • Bertas Flachs (von Hand gefertigte Zöpfe). Aus vereinstechnischen Gründen verkauft Bertas Flachs aber nur an Mitglieder, d.h. um einkaufen zu können, musst Du Mitglied werden. Die Mitgliedschaft ist aber nicht sehr teuer.
  • Diverse online-Shops für Fasern verkaufen Werg als Kardenband (z. B. Das Wollschaf).
  • Zöpfe bekommt man manchmal über Haushaltsauflösungen bei Kleinanzeigen oder online-Auktionshäusern.
  • Oder: Selber anbauen zusammen mit vielen anderen über das Projekt 1qm Lein.

Viel Spaß beim Ausprobieren!


Willst Du wissen, wie ich selber 1 qm Lein im Hochbeet angebaut habe? Dann schau mal hier rein:

Meine Tipps für Spinn-Anfänger

Du möchtest das Handspinnen lernen, weißt aber nicht genau, ob das was für Dich ist? Du weißt nicht, wie und wo Du anfangen sollst, und was man alles braucht? Hier habe ich Dir meine Tipps für einen guten Start zusammengestellt.

(Dieser Blog-Post enthält Verlinkungen zu Shops und ich kennzeichne ihn hiermit als #werbung. Hinter den links findest Du Anregung und Illustration, ob Du das magst, musst Du selber entscheiden ????. Ich bekomme dafür jedenfalls keine Gegenleistung der verlinkten Seiten.)

Tipp 1: Fang an mit dem, was Dir zur Verfügung steht!

Wenn Du jetzt sofort anfangen möchtest und es ganz schnell gehen soll, probier es doch mal mit Fingerspinnen! Einfach was immer Du verwenden möchtest (Stoffstreifen, Garnreste, Papierstreifen, ausgekämmte Unterwolle von Omas Hund…) ein bißchen mit den Fingern zu einem Faden verzwirbeln, unter leichter Spannung halten und auf einen Holzstab / Bleistift / Kochlöffel o.ä. aufwickeln. Du kannst auch ein Stöckchen vom letzten Waldspaziergang benutzen. So kannst Du quasi sofort loslegen.

Du kannst Dir auch selber eine Spindel bauen (darüber habe ich hier schon etwas geschrieben). Mit Handspindeln lernst Du die nötigen Bewegungen langsam und in Etappen (z.B. mit der Park-and-Draft-Methode wie Chantimanou es zeigt) und hast Zeit, Deine 6 – 8 Hände zu koordinieren. Dabei merkst Du relativ schnell, ob Du Feuer fängst oder eher nicht.

Keine passenden Bauteile zur Hand? Du kannst auch eine fertige Spindel oder ganze Anfängersets kaufen. Sie kosten je nach Ausführung meist zwischen 8 und 60 Euro. Schau doch mal bei Flinkhand, Frau Wöllfchen oder bei den Wollschaaarfs vorbei. Wenn Du gleich was richtig schönes kaufen möchtest, dann geh mal beim Spindelstübchen stöbern. Peter Locke von Wolle-online hat schlichte aber sehr gute Lern-Spindeln, und Das Wollschaf hat oft schöne Exemplare. Besonders kunstvoll sind die Modelle von der Regenbogenwolle und von KnitArt. Bei Ernst Drab in Österreich gibt es sogar welche mit Wechselstab – sehr praktisch.

Tipp 2: Probiere es auch am Spinnrad!

Manche Menschen kommen mit Handspindeln nicht gut klar, für sie funktioniert es am Spinnrad besser. Wenn Du also mit den Handspindeln nicht glücklich bist, probiere es unbedingt auch an einem Spinnrad aus, bevor Du komplett das Handtuch wirfst.

Kennst Du jemanden, dessen Rad Du mal probetreten kannst? Super! Wenn Du niemanden kennst, frag bei der Handspinngilde, ob es in Deiner Nähe eine Spinngruppe gibt – dort wird Dir in der Regel gerne geholfen. Gibt es niemanden in Deiner Nähe, dann hast Du immer noch die Option, Spinnräder gegen eine Leihgebühr auszuleihen. Auf Märkten oder Wollefesten gibt es oftmals Ausstellungsmodelle. In den letzten Jahren war auf dem Leipziger Wollefest ein Stand von Filzrausch, an dem man Spinnräder ausprobieren konnte. Falls Du in der Nähe bist, lohnt sich sicher auch ein Besuch im KnitArt-Studio bei Frau Schreier in Hamm.

Ich rate Dir davon ab, Dein erstes Spinnrad bei einem bekannten online-Auktionshaus zu kaufen – zumindest solange Du noch nicht einschätzen kannst, ob es funktioniert. Oft werden Räder von Menschen angeboten, die die Funktionsweise gar nicht kennen. Es wird dann als funktionsfähig angeboten, wenn man nur das Antriebsrad drehen kann. Dass da noch mehr dazugehört, wissen viele Verkäufer meist gar nicht. Zudem ist es für viele dieser Räder schwierig, an Ersatzteile zu kommen, wenn man nicht einen guten Drechsler an der Hand hat. Wenn es aber unbedingt so eines sein soll – probiere es vorher aus und nimm Dir jemanden mit, der sich damit auskennt.

Wenn Du dann vor einem Rad sitzt, kann ich Dir wieder nur die Videos von Chantimanou ans Herz legen, z.B. dieses hier.

Tipp 3: Es gibt keine Spinn-Polizei

Niemand wird Dir einen Bußgeld-Bescheid schicken, weil Du mit dem „falschen“ Material oder Gerät angefangen hast. Es gibt nicht „das Eine / Richtige [Wasauchimmer]“. Dein Projekt, Deine Regeln!

Alle sagen, Du solltest mit Eiderwolle am Spinnrad anfangen? Nun, ich habe mit Seiden-Hankies und einer (aus heutiger Sicht nicht besonders gut dafür geeigneten) Handspindel angefangen. Hat es Spaß gemacht? Absolut! Hab ich was dabei gelernt? Und ob! Ist es wichtig, womit Du anfängst? Nein, finde ich nicht. Wichtiger ist, DASS Du anfängst und Spaß hast.

Ja, es gibt Fasern, die sind nicht so super einfach zu verarbeiten, Angora zum Beispiel, ein Seidenkammzug oder Yak. Es gibt auch Faser- und Gerät-Kombinationen, die nur sehr schwer funktionieren werden (besagtes Angora und eine 80g schwere Fallspindel sind selbst für fortgeschrittene Spinner eine Herausforderung). Oft hört man, dass man nicht mit einer unterstützten Spindel Spinnen lernen soll. Aber: wenn Dein Herz danach schreit, dann versuche es! Und schnapp Dir jemanden, der Dich dabei begleitet 🙂

Tipp 4: Du brauchst nur wenige Werkzeuge.

Es gibt viele Werkzeuge, die man zum Spinnen und zur Faservorbereitung verwenden kann – Handkarden, Kammstationen, Trommelkarden, Hackle, Spinnrocken…. Aber insbesondere am Anfang, wenn Du Dir noch nicht so ganz sicher ist, ob Du dabeibleibst, gibt es günstigere Alternativen.

Meine am meisten genutzten Werkzeuge sind: meine Kreuzhaspel und meine Handkarden (72er Benadelung). Die Kreuzhaspel nutze ich zum Wickeln von Strängen. Mit den Handkarden bereite ich hauptsächlich gewaschene Rohwolle, die noch etwas Lanolin enthält, zum Spinnen vor. Und am Anfang brauchst Du selbst diese Werkzeuge nicht unbedingt – Stränge wickeln kann man auch über den Unterarm oder die Rückenlehne eines Stuhles, und zum Kardieren kannst Du auch Hundebürsten nehmen. Das ist zwar deutlich mühsamer und langsamer als mit Handkarden, aber wenn Du ohnehin Hundebürsten in der Schublade hast, brauchst Du erst mal nichts kaufen.

Trommelkarden und Kammstationen bedeuten schon eine gewisse Investition. Wenn Du wissen willst, wie Du mit diesen Geräten klarkommst, gibt es auch hier manchmal die Möglichkeit, sie bei Shops oder der Handspinngilde zu mieten oder zu leihen.

Tipp 5: Vernetze Dich in einer Community!

In der Gruppe spinnt es sich einfach schöner. Es ist immer jemand da, den Du fragen kannst, wenn mal was nicht klappt. Schau auf der Webseite der Handspinngilde, ob sich in Deiner Gegend eine Spinngruppe trifft. Wenn es im echten Leben nichts in Deiner Nähe gibt, versuche es online. Chantimanou veranstaltet für alle Patrons regelmäßig online Spinntreffen. Oder Du suchst auf Facebook nach einer Gruppe, die Dir zusagt.

Einmal im Jahr wird der worldwide spin in public day veranstaltet (dieses Jahr war er am 18. September). Überall auf der Welt treffen sich dann Spinner in der Öffentlichkeit, um gemeinsam ihrer Leidenschaft zu frönen und das Handwerk wieder etwas mehr ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. Hier triffst Du auf jeden Fall auf die spinnerte community und kannst Dich mit anderen verbinden. Bei Instagram gibt es einen eigenen Account dafür : wwsipday.

Tipp 6: Bleib neugierig!

Faden spinnen kannst Du schon und Du fragst Dich: Was soll da jetzt noch kommen? Es gibt so viele Facetten rund ums Spinnen, dass man sich ständig neue Herausforderungen überlegen kann. Schon mal von der Tour de Fleece gehört? Oder von der Sheep-to-Sweater Competition? Art Yarn? Es gibt auch ein Buch, in dem übers Jahr verteilt jede Woche eine andere Art Garn gesponnen wird. Es heißt 51 Yarns to spin before you cast off, und es gab sogar ein Spin-along / Spinn-Mit.

lilafarbenes Boucle-Garn in Nahaufnahme
Handgesponnenes Bouclé-Garn aus einem Mohair-Kammzug, einem Glitzer-Kern und einem Seidenfaden als Binder gesponnen. Eine Heidenarbeit, aber mit enormem Spaß-Faktor!

Du kannst Dich auch fragen, warum und was Du gerne spinnen möchtest. Interessieren Dich verschiedeneTechniken? Hast Du Schafe, deren Wolle Du verarbeiten möchtest? Möchtest Du die verschiedenen Wollqualitäten regionaler Schafrassen kennenlernen? Bist Du Textil-Künstler*in und möchtest ganz nach Deinen Vorstellungen Eigenes erschaffen? Nimm Dir kurz Zeit, darüber nachzudenken, dann ergibt sich einiges von selbst, z.B. wo Du Deine Wolle herbekommst oder welche Werkzeuge Du brauchst.
Für das Arbeiten mit Rohwolle könntest Du einmal beim Verband Deutscher Schaf- und Ziegenhalter suchen, ob es in Deiner Nähe Schafhalter gibt.

Wenn Du lieber Kunstgarne herstellen möchtest und mit industriellen Kammzügen arbeitest, sind die einschlägigen Shops wahrscheinlich Dein erster Anlaufpunkt. Schau doch mal beim Mondschaf oder dibadu vorbei.

In diesem Sinne:

Frohes Spinnen!

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